D-Tox Im Auge der Angst



D: Sylvester Stallone, Kris Kristofferson, Tom Berenger, R: Jim Gillespie, 90 Min.

Man nimmt sich ja immer wieder vor, sich nicht von Vorurteilen leiten zu lassen, aber wenn man sich das Line-up so anguckt, wäre man doch arg überrascht, erwarte einen hier eine romantische Beziehungskomödie. Aber keine Angst, man wird von der Crew nicht entttäuscht, bei der das geläufige Horror-Thriller-Genre, vertreten durch Regisseur Jim Gillespie ("Ich weiß, was Du letzten Sommer getan hast"), mit einer geballten Ladung Schauspieler der Action-Fraktion gepaart wird.

Das wird schon bei der Einführung in die Geschichte deutlich, denn FBI-Agent Jake Malloy (Sylvester Stallone), der im Fall einer Reihe von Polizistenmorden ermittelt, verliert durch eben diesen Killer seine Lebensgefährtin und große Liebe Mary auf recht unangenehme Weise. Die anschließende Verfolgungsjagd nach dem Mörder endet für ihn unbefriedigend mit dessen Selbstmord. So um seinen Lebensinhalt gebracht, stürzt Malloy total ab und droht sich zu Tode zu saufen, als sein alter Polizeikumpel Hendricks (Charles S. Dutton) auf den Plan tritt und ihn in eine abgelegene Entziehungsanstalt in der verschneiten Einöde Wyomings verfrachtet, die dort in einer ehemaligen Militärstation von einem Ex-Cop (Kris Kristofferson) speziell für Polizisten betrieben wird. Sie wird durch einen Schneesturm völlig von der Außenwelt abgeschnitten, und als dann auch noch unter den Eingeschlossenen eine mysteriöse Todesserie einsetzt, ist der typische Thriller-Plot la "Shining" geschaffen.

Dabei bezieht der Film seine Spannung hauptsächlich aus der beklemmenden Situation, in der sich die Eingeschneiten der Killer mitten unter ihnen - befinden, zu deren Kreation sich ihr Aufenthaltsort, dieser alte und nach Stromausfall auch noch dunkle und kalte Betonbunker hervorragend eignet, was sich Regisseur Gillespie auch auf beeindruckende Art zu Nutze macht. Allerdings ist die Suche nach dem Mörder ein wenig zuviel des Guten, werden doch alle paar Minuten neue Hinweise gestreut, die zu immer anderen Mutmaßungen Anlass geben. So ist man es bald leid, sich am Rätselraten um den Täter zu beteiligen, zumal man vorher leider nicht genug Zeit bekam sich mit den anderen Figuren näher zu beschäftigen. Deshalb ist man stark darauf angewiesen, den doch sehr platten Stereotypen zu vertrauen. Die Guten, zu denen außer selbstverständlich unserem harten Malloy, den Stallone hier, wenn auch unübersehbar etwas in die Jahre gekommen, in guter alter Rambo-Manier gibt, auch noch die sexy Psychiaterin Jenny Munroe (Polly Walker) zählt, scheiden dabei aus dem Verdächtigenkreis vorzeitig aus. Genauso wie man den Bösen, denen auf jeden Fall der Assistent der Anstalt Hank (Tom Berenger in der klassischen Arschloch-Rolle) zuzurechnen ist, alles zutrauen kann. Vor diesem Hintergrund entwickelt sich so ein recht munteres Katz-und-Maus-Spielchen mit nicht minder blutrünstigem Ende, dem das tiefgründige Grauen aber weitgehend fehlt. Da kann auch das noch so spektakulär gestaltete Showdown-Szenario nicht mehr viel Boden gut machen.

Wertung: 6 von 10 Punkten

(Miguel)