EIN MUTIGER WEG
Darsteller:  Angelina Jolie, Irfan Khan, Dan Futterman, Will Patton
Regie:  Michael Winterbottom
Dauer:  96 Minuten
FSK:  Freigegeben ab 12 Jahren
Weblink:  movies.uip.de/einmutigerweg
 

Pakistan, Januar 2002. Im Zuge des US-amerikanischen Afghanistanfeldzugs, dem Vergeltungsschlag für die Terroranschläge auf das World Trade Center, ist die Stimmung in der gesamten islamischen Welt mehr als gereizt. Die westlichen Medien überschlagen sich mit Berichten und Spekulationen über das Al-Qaida-Netzwerk und dessen Köpfe. So will auch Marianes Mann Daniel mit seinem Interview eines Al-Qaida-Führers in Pakistan, das für ihn von einheimischen Kontaktpersonen eingefädelt wurde, mehr Licht ins Dunkel der Terrororganisation bringen, als er morgens das Haus verlässt.

Michael Winterbottom, der in jüngster Vergangenheit schon des öfteren mit bewegenden dokumentarischen Dramen („In this World“, „Road to Guantanamo“) aufhorchen ließ, zeichnet in seinem neuesten Werk das Schicksal des amerikanischen Journalisten und Südostasienkorrespondenten des Wall Street Journals Daniel Pearl nach, der kurze Zeit nach seiner Entführung medienwirksam enthauptet wurde, was damals für Entsetzen in der gesamten westlichen Welt sorgte und jedem noch in schlechter Erinnerung sein wird. Als Vorlage dienten ihm die Memoiren von Pearls Frau Mariane, zu dieser Zeit ebenfalls als Journalistin mit ihrem Mann in Pakistan lebend und im sechsten Monat schwanger, die ihre Erfahrungen nachher für ihren Sohn niedergeschrieben hat.

Es ist vor allem Angelina Jolie, die hier Mariane verkörpert und diesen Film zu einem besonderen Erlebnis macht. Dieses zerbrechliche Gesicht, das das gesamte Spektrum von Marianes Emotionen widerspiegelt, und einem dabei so nahe geht. Ist es anfangs, als eine Rückmeldung ihres Mannes ausbleibt, noch Irritation, die man darin entdecken kann, geht diese recht bald in ein Wechselbad der Gefühle zwischen Sorge und Hoffnung über. Denn obwohl die Gewissheit der Entführung und das Wissen um die Kaltblütigkeit islamistischer Gruppierungen Ernüchterung auslösen, sorgen kleine Ermittlungserfolge des Krisenstabs, der sehr schnell auf Leute von pakistanischer Polizei über diplomatische Kreise bis zum amerikanischen Geheimdienst anwächst, immer wieder für Hoffnungsschimmer. Doch diese weichen immer mehr purer Verzweiflung und Machtlosigkeit. Jolie macht Marianes Martyrium während dieser Woche des Bangens so allgegenwärtig, dass man erst jetzt die vollständige Grausamkeit der damaligen Geschehnisse nachempfinden kann.

Dass man nebenbei einen hervorragenden Einblick in das Leben von Auslandskorrespondenten und die Verzweigtheit des Terrornetzwerks bekommt, die bei den Ermittlungen immer deutlicher wird, kriegt man bei aller Emotionalität fast gar nicht mit. Das sorgt aber dafür, dass hier, wie man vermuten könnte, keinesfalls ein islamfeindlicher Film entstanden ist, der sehr wohl zwischen Extremisten und hilfsbereiter Normalbevölkerung zu differenzieren weiß, auch wenn er die politische Ebene weitgehend außen vor lässt. Bedrückend.

Wertung: 8 von 10 Punkten

(Mick)