EIN LEBEN FÜR EIN LEBEN
Darsteller:  Jeff Goldblum, Willem Dafoe, Ayelet Zurer, Derek Jacobi
Regie:  Paul Schrader
Dauer:  102 Minuten
FSK:  freigegeben ab 12 Jahren
Weblink:  www.ein-leben-fuer-ein-leben.de
 

So richtig weiß man nicht, was man halten soll von diesem Film, wenn man mitten hinein geworfen wird in die doch etwas abstrus wirkende Handlung. Doch es gilt, sich einfach erstmal einzulassen auf die Geschichte von Adam Stein (Jeff Goldblum), der sich Anfang der 60er Jahre in einem Rehabilitationszentrum für Holocaust-Überlebende mitten in der israelischen Wüste wiederfindet. Dort ist er Dank seines Intellekts so etwas wie der heimliche Chef und macht sich einen Spaß daraus, sowohl Patienten als auch Personal zu seinem Gefallen zu manipulieren. Aber auch in der Vergangenheit dieses bewunderten, selbstbewussten Mannes existieren Ereignisse, die ihn so traumatisiert zurückließen, dass ein normales Leben für ihn undenkbar scheint.

Und das ist auch schon die ganz große Stärke des Films: Stück für Stück bekommt man in Rückblenden Einblick in Adams Leben, das man sich erst mühsam rekonstruieren muss. Immer mehr lichtet sich so der Nebel des Unverständnisses über seiner jetzigen Situation und macht schließlich Platz für Anteilnahme und Erschütterung. Das ist natürlich auch der Romanvorlage Yoram Kaniuks geschuldet, die sich dem Thema Aufarbeitung von NS-Verbrechen auf solch spannende Art nähert.

Adam war nämlich einst vielumjubelter Star eines Berliner Varieté-Zirkus, bis die Nazis seinem schönen Leben ein jähes Ende bereiteten und ihn wegen seines jüdischen Glaubens samt seiner Familie in ein Konzentrationslager abtransportieren ließen. Da begegnete er mit Lagerkommandant Klein (Willem Dafoe) dem Mann wieder, den er damals in einer seiner Shows vom Selbstmord abgebracht hatte, und wurde im Tausch für sein Leben und das seiner Familie zum Teil eines perversen Spiels. Klein hielt ihn damals zu seiner Belustigung über ein Jahr lang als seinen zweiten Hund und ließ ihn schließlich grausamerweise den Weg der Häftlinge in die Gaskammer, unter ihnen seine Frau und seine Tochter, auf der Geige begleiten. Mit diesem Wissen, das man ja nur nach und nach präsentiert bekommt, beginnt man erst, sich psychologisch mit Adams Schicksal in der Klinik auseinanderzusetzen und darf sogar miterleben, wie er einem jungen Patienten, der sich aufgrund einer Psychose wie ein Hund verhält, als einziger näher kommt.

Getragen von einem brillanten Jeff Goldblum als in sich zerrissener Adam, nimmt einen der Film mit auf eine Reise in die Seele des Menschen und vollführt dabei eine Gratwanderung zwischen Komödie und NS-Drama - zum ersten Mal übrigens fand hier ein israelisch-deutsches Team mit einer Produktion zum Thema Holocaust zusammen, vielleicht auch ein wichtiger Schritt in Richtung Aufarbeitung. Dabei ist er manchmal belustigend, manchmal erschütternd und oft verwirrend aber niemals langweilig.

Wertung: 8 von 10 Punkten

(Mick)