ELISABETH - DAS GOLDENE KÖNIGREICH
Darsteller:  Cate Blanchett, Clive Owen, Geoffrey Rush, Abbie Cornish
Regie:  Shekkar Kapur
Dauer:  115 Minuten
FSK:  freigegeben ab 12 Jahren
Weblink:  movies.uip.de/elizabeth
 

England, 16. Jahrhundert. Elizabeth I., inzwischen auf dem Thron etabliert, wie wir ja im oscarprämierten Vorgänger lernen durften, hat sowohl innen- als auch außenpolitisch mit allerlei Anfeindungen zu kämpfen, denn der Glaubenskrieg zwischen Katholiken und Protestanten hat noch lange kein Ende gefunden. Und während die englischen Katholiken mit aller Macht versuchen, ihre gefangengehaltene Halbschwester Maria Stuart auf den Thron zu bringen, ringt sie seit dem Bruch mit dem spanischen Köigshaus mit Spanien unter Philipp II. um die Vorherrschaft in Europa.

Cate Blanchett, die ja für ihre Verkörperung der Elizabeth im ersten Teil zu Recht den Oscar erhielt, zeigt auch hier wieder ihr ganzes Können, doch gibt ihr die Handlung diesmal nicht ganz so viel Raum zur Entfaltung. Ließ sie einen damals grandios die Entwicklung vom Mädchen zur verantwortungsvollen Herrscherin nachempfinden, muss sie diesmal mit der Rolle in turbulenteren Krisenzeiten vorlieb nehmen, und auch das macht sie großartig. Strahlt sie noch eingangs die ganze Souveränität einer Königin aus, der die halbe Welt den Hof macht und der es frei steht, zwischen all den in Frage kommenden Werbern zu wählen, zeigt sie schon kurze Zeit später alle Unsicherheit und Zerbrechlichkeit einer von Selbstzweifeln geplagten Frau.

Dazu trägt ganz entscheidend ihre Begegnung mit dem jungen Seefahrer Sir Walter Raleigh (etwas hölzern: Clive Owen) bei, für den sie sehr schnell tiefe Gefühle entwickelt, die sie aber aufgrund des Herkunftsunterschieds unterdrücken muss. Da gleicht der vor dem Lagerfeuer erbetene Kuss dann schon einem unerlaubten Grenzübertritt. Besonders in den Szenen mit ihrer Hofdame Bess (überaus anmutig: Abbie Cornish) wird deutlich, wie sehr sie unter den Zwängen leidet, die ihr Status der „jungfräulichen Königin“ mit sich bringt, während sich Bess ihren Gefühlen voll hingeben kann.

Und während mit dem Intrigenspiel um die Hinrichtung Maria Stuarts alles auf die reißerisch inszenierte entscheidende Seeschlacht mit der spanischen Armada zusteuert – es sei verziehen, dass das katholische Spanien hier aus spannungstechnischen Gründen neben dem doch ein wenig glorifizierten England („Wenn Spanien gewinnt, kommt die Inquisition und die Freiheit ist verloren!“) nicht besonders gut wegkommt – trifft am Hofe selbst die Seelenverwandte Bess aufgrund ihrer ausgelebten Liebe zu Raleigh die volle Wucht von Elizabeths Eifersucht.

So wird man Zeuge eines emotional dichten Historiendramas, bei dem zwar die Fakten zugunsten der Dramaturgie manchmal auf der Strecke bleiben, das aber von Cate Blanchett als zwiespältige Königin über die gesamte Distanz getragen wird.

Wertung: 8 von 10 Punkten

(Mick)