DIE ENTDECKUNG DER UNENDLICHKEIT
Darsteller:  Eddie Redmayne, Felicity Jones, Tom Prior, Harry Lloyd
Regie:  James Marsh
Dauer:  123 Minuten
FSK:  freigegeben ohne Altersbeschränkung
Website:  www.the-theory-of-everything-film.de
 

Viel hat man schon gehört von den Meriten, die Stephen Hawking auf dem Gebiet der Astrophysik im Laufe der Jahre erworben hat. Zahlreiche Veröffentlichungen legen deutlich Zeugnis davon ab, und nicht zuletzt seine populärwissenschaftlichen Werke haben dazu beigetragen, die Thematik einer breiteren Masse näherzubringen. Aber trotz allen wissenschaftlichen Schaffens ist die schreckliche Krankheit ALS das Erste, was einem in Verbindung mit seinem Namen in den Kopf schießt.

Was sollte dieses typische Biopic also anderes zum Thema haben, als den Einfluss des fortschreitenden Muskelschwunds auf seine tägliche Arbeit, was ja ziemlich schnell auserzählt wäre. Gut nur, dass das Drehbuch auf den Memoiren von Hawkings erster Frau Jane (Felicity Jones) basiert, das in erster Linie ihre Liebesbeziehung in den Mittelpunkt rückt und alles andere eher mit Nebenrollen besetzt. Damit ist die erste Überraschung schon mal gelungen, denn die Handlung weicht erfreulicherweise von Anfang an von den gängigen, hawkingschen Stereotypen ab, und wer hat denn schon vom charmanten Herzensbrecher Hawking gehört?

So springen wir direkt ins Cambridge der Sechziger, wo der gleichermaßen geniale und lebenslustige Physikstudent Stephen (Eddie Redmayne) von seiner unheilbaren Krankheit nicht im Geringsten ahnend die Bekanntschaft der hübschen, eloquenten Jane macht. Schnell entspinnt sich nach althergebrachtem Muster eine zarte Liebesgeschichte unter jungen Studenten, die unsere beiden Protagonisten auf Wolke 7 katapultiert. Das Liebesglück aber wird recht bald durch die ersten Symptome der Krankheit eingeholt, deren nach unzähligen Untersuchungen feststehende, niederschmetternde Diagnose die erste harte Prüfung darstellt. Es soll beileibe nicht die letzte bleiben, nachdem sich beide allen Widerständen zum Trotz zur Heirat entschlossen haben.

Und wie Redmayne den schleichenden Fortschritt der ALS schon rein physisch verkörpert. Wie selbstverständlich wir irgendwann die immer weiter einschränkenden Spasmen wahrnehmen, deren Darstellung doch so unmenschlich anstrengend gewesen sein muss. Ganz nebenbei lässt er uns dann auch noch an Hawkings Seelenleben teilnehmen, der bei schon weit überschrittener Lebenserwartung seinen körperlichen Verfall bei klarem Verstand mitbekommt. Das ist schon oscarreif und stellt leider die Leistung von Felicity Jones ein wenig in den Schatten, deren Wandlung der Jane von der naiven Studentin zur toughen, allen Widrigkeiten des Alltags entgegentretenden, liebenden Mutter aber unbedingt erwähnenswert ist.

Wir haben es also mit einer Hawking-Biografie zu tun, die trotz der zum Ende hin der eingeschliffenen Situation geschuldeten gelegentlichen Längen so viel mehr zu bieten hat, als man sich vorher ausmalen konnte. In Kombination mit der wunderbar harmonierenden Schauspielerpaarung Redmayne/Jones ergibt das einfach einen sehenswerten Film.



Wertung: 8 von 10 Punkten

(Mick)