ES WAR EINMAL IN DEUTSCHLAND...
Darsteller:  Moritz Bleibtreu, Antje Traue, Tim Seyfi, Mark Ivanir
Regie:  Sam Gabarski
Dauer:  102 Minuten
FSK:  freigegeben ohne Altersbeschränkung
Website:  www.eswareinmalindeutschland.x-verleih.de
Facebook:  facebook.com/eswareinmalindeutschland
 

Basierend auf den semiautobiographischen Romanen "Die Teilacher" und "Machloikes" von Michel Bergmann bringt der in Bayern aufgewachsene, belgische Regisseur Sam Garbarski ("Irina Palm") eine Nachkriegsgeschichte ins Kino, die es bestens vermag, trotz der auch nachdenklich machenden Szenerie zum Schnunzeln zu bringen und Spannung zu erzeugen.

Wir befinden uns im Jahr 1946. Als Jude ist David Bermann (Moritz Bleibtreu) froh, dem Naziregime entkommen zu sein. Nun versucht er, aus der Situation Profit zu schlagen, hat er doch die gewitzte Geschäftsidee, Lagerbestände an Wäsche zu überteuerten Preisen an die Mütter und Hausfrauen der Nachkriegsgeneration zu verkaufen - denn hier wird gerade der Stolz auf Wohlstandssymbole und Sauberkeit wiedergeboren. Leider verweigert man ihm die Handelslizenz. So sucht sich David eine Gruppe befreundeter Juden zusammen, die allesamt davon träumen, nach Amerika ausreisen zu können - und hierfür braucht man Kapital, welches ihnen Davids Geschäft bringen soll. Und das tut es dann auch, denn die antrainierte Mischung aus Charme und erfundenen Geschichten zur Herkunft von Bett- und Tischwäsche kommt bei den Damen bestens an. Alles läuft anscheinend gut ... wäre da nicht die Tatsache, dass David auf Grund des Besitzes eines zweiten Passes und eines ehemaligen Besuchs auf dem Obersalzberg bei Hitler von den Amerikanern durchleuchtet wird - war er etwa ein Nazi-Spitzel? Die attraktive, aber unerbittliche US-Offizierin Sara Simon (Antje Traue) versucht, in wochenlangen Verhör-Stunden, die David vor seinen Kumpels geheim hält, die Wahrheit heraus zu finden...

Sam Garbarski ist es gut gelungen, eine kurzweilige Mischung aus Nachkriegs-Szenerie, dem sich fortsetzenden Verhör und Rückblicken auf die Erlebnisse von David vor der Befreiung von den Nazis zu schaffen. Als Zuschauer wartet man fast ebenso gespannt wie Sara Simon auf die Wahrheit und ist hin und her gerissen zwischen den Momenten, wo man dem charmanten David glaubt, und denen, wo seine Geschichten nicht mehr glaubwürdig erscheinen. Das Ganze ist augenzwinkernd inszeniert, gut gespielt und bereitet insgesamt eine Menge Freude. Kurz vor dem Kinostart wurde der Film übrigens auch von der FBW mit dem Prädikat "besonders wertvoll" ausgezeichnet.



Wertung: 8 von 10 Punkten

(Tobi)