EVEREST
Darsteller:  Josh Brolin, Jake Gyllenhall, Jason Clarke, Keira Knightley, Emily Watson
Regie:  Baltasar Kormákur
Dauer:  121 Minuten
FSK:  freigegeben ab 12 Jahren
Website:  www.everest-film.de
 

Es herrscht geradezu ausgelassene Stimmung am Flughafen von Kathmandu, als die bunt zusammengewürfelte Reisegruppe im Frühjahr 1996 zusammenkommt. Irgendwie einer Klassenfahrt vergleichbar, man kennt und schätzt sich mehr oder weniger, und doch kann auch die hundertste Frotzelei den Respekt vor dem bevorstehenden Abenteuer nicht überdecken. Sie alle haben bei „Adventure Consultants“ gebucht: einmal Gipfel Mount Everest hin und zurück. Dass es für manche beim Hin bleiben soll, ahnt da noch keiner.

Baltasar Kormákur („2 Guns“, „Contraband“) nimmt sich hier einer realen Tragödie im Himalya an, die bei weitem kein Einzelfall war, aber in ihrem Ablauf doch einige Kontroversen auslöste, da sich unter den Opfern sogar erfahrene Bergführer befanden. Aber von vorn: Die mehr oder weniger bergerfahrenen Naturburschen haben sich für ungefähr 20000 Dollar in die Expedition eingekauft und sind nun aus den unterschiedlichsten Gründen auf dem Weg zum Dach der Welt. Eines aber eint die Abenteuerlustigen allesamt: Sie wollen alle ihre eigenen Grenzen entdecken. Und an die sollen sie schon sehr bald stoßen, als sie das Höhenlager erreichen, das ja schon weit in der sogenannten Todeszone liegt, in der von einem längeren Aufenthalt dringend abgeraten wird. Das alles ist durch gründliche Recherchen sehr schön rekonstruiert und tatsächlich trägt der Spannungsbogen durch das sich schon da anhand organisatorischer Unzulänglichkeiten abzeichnende Unheil erstaunlich gut, sei es auch nur aus Neugier über den Verlauf der Ereignisse.

Was kommt, ist auch für den Unwissenden genauso vorhersehbar wie durch 3D-Technik spektakulär anzuschauen. Das Unwetter bricht über die Bergsteiger herein, deren Fehlerkette von miserablem Zeitmanagement bis zur schlechten Sauerstoffversorgung gnadenlos aufgedeckt wird, denn der Berg verzeiht nicht. Schade nur, dass bei allem noch so detaillierten Erkenntnisgewinn über die Tücken der Südroute zum Everest und atemberaubenden Bildern die Beziehung zu den Opfern weitgehend auf der Strecke bleibt. Allenfalls kann man wie eingangs erwähnt die jeweilige Gemütsverfassung der Abenteurer nachempfinden, Mitgefühl aber erzeugt das deswegen noch lange nicht.

So bleibt es leider beim rasanten aber simplen Actiondrama, das zwar kurzweilig inszeniert ist, sich jedoch zu sehr auf den zeitlichen Ablauf des anerkanntermaßen beeindruckenden Geschehens konzentriert. Nur angedeutet wird die Problematik des Tourismus in Extremregionen genauso wie die zweifelhafte Entscheidungsfindung zum Wohle der prosperierenden Reiseunternehmen, was ein gewaltiges Potenzial ungenutzt lässt.



Wertung: 7 von 10 Punkten

(Mick)