THE FALL
Darsteller:  Lee Pace, Catinca Untaru
Regie:  Tarsem Singh
Dauer:  117 Minuten
FSK:  freigegeben ab 12 Jahren
Weblink:  www.thefall-film.de
 

Wir befinden uns im Jahr 1915, die Filmindustrie steckt noch in ihren Kinderschuhen, aber Stunts werden schon jetzt professionell eingesetzt um die Produktionen spektakulärer zu machen. Und selten wurde einem bewusster vor Augen geführt, welchen Risiken sich die Stuntleute damals ohne die heutigen technischen und analytischen Möglichkeiten aussetzten, als mit dem Zusammenschnitt alter Schwarz-Weiß-Filme im Vorspann.

So kommt es auch nicht von ungefähr, dass Stuntman Roy (Lee Pace) nach einem Unfall bei Dreharbeiten in einem Krankenhaus von Los Angeles liegt, wo sich auch die kleine Alexandria (Catinca Untaru) von ihrem Armbruch erholt. Und weil dem lebhaften, neugierigen Sonnenschein der Station schon nach kurzer Zeit die Langeweile zu viel wird, interessiert sie sich bald für den geheimnisvollen Schwerverletzten nebenan. Der sieht in ihr die Möglichkeit, endlich an eine tödliche Dosis Morphium zu kommen, da außer seinen Knochen auch noch sein Herz gebrochen ist, und erzählt ihr bei ihren täglichen Besuchen die fantastische Geschichte von fünf heldenhaften Märchenfiguren auf ihrem gemeinsamen Rachefeldzug gegen den garstigen Gouverneur Odious.

Damit katapultiert uns Regisseur Tarsem Singh mitten hinein in eine Fantasiewelt, die doch ein wenig gewöhnungsbedürftig ist, so gewaltig wirken die knalligen Farben nach der in seichten Beigetönen gehaltenen Rahmenhandlung plötzlich auf einen ein. Und hat man erstmal aufgehört, nach irgendwelchen einleuchtenden Verbindungen zu suchen – es ist eben nur irgendeine Geschichte, die hier erzählt wird, kann man sich ganz dem Genuss der surrealistischen, bunten Bilderwelt hingeben. Denn folgt die Handlung der Geschichte auch einem logischen Ablauf, so liegt der Schwerpunkt doch sicher auf der künstlerischen Gestaltung, die einen neben fast nahtlosen Landschaftsübergängen auch durch spektakuläre Drehorte mit teilweise hohem Wiedererkennungswert beeindruckt.

Aber ehe man sich zu sehr in der Traumwelt dieses modernen Märchens verliert, wird man immer mal wieder auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt, indem abrupt zwischen den beiden Handlungsebenen hin- und hergesprungen wird. Geschickt wird einem dabei vermittelt, dass die Erzählung allein Roys Fantasie entspringt, werden doch kleine Einsprüche des Mädchens gegen den Verlauf der Geschichte postwendendend eingearbeitet. So leitet einen der Spannungsbogen beider Handlungen parallel zum finalen Showdown zweier Geschichten, die einen zwar nicht immer komplett fesseln können, aber mit ihrer intelligenten Verknüpfung durchaus Freude bereiten. Bleibenden Eindruck jedoch hinterlässt vor allem Singhs farbgewaltiger, künstlerisch anspruchsvoller Stil, den man so im Kino noch nicht gesehen hat.

Wertung: 7 von 10 Punkten

(Mick)