Fandango - Members Only

D: Nicolette Krebitz, Moritz Bleibtreu, Richy Müller, R: Matthias Glasner, 114 Min.

Das (Nacht-)Leben besteht aus wilden Zeiten, merkwürdigen Zufällen, schrägen Typen, Abhängigkeit, Suche, Geldgier und einem Wechselbad zwischen mentalem Overkill und nachdenklichem In-sich-gehen? Vielleicht bei einigen Leuten, bei den meisten eher nicht. So aber wird es in "Fandango" dargestellt. Da hätten wir Nicolette Krebitz als Shirley Maus, die mit dem Nachtclub-Besitzer Lupo zusammen ist, aber eigentlich nur ihrem Traum nachrennt, als Model Karriere zu machen, obwohl sie dafür viel zu klein ist und eigentlich keine Chance hat, da kann sie sich noch so oft von wichtig erscheinenden Leuten durchvögeln lassen. Da hätten wir Richy Müller als eben diesen Lupo, der einst als Türsteher anfing und sich bis zum resoluten Boss hochgearbeitet hat. Ihm geht es darum, Shirley glücklich zu machen, doch er bekommt auch mit, dass er dies nur finanziell kann, sonst aber nicht wirklich. Da hätten wir Moritz Bleibtreu als DJ Sunny Sunshine (was für ein beknackter Name), der nach einem Unfall erblindet ist, aber trotzdem noch durch sein Gefühl für die richtige Rille den Saal zum Kochen bringt - wobei sich nach kurzer Zeit herausstellt, dass dies alles nicht so ist, wie es scheint. Hinzu kommen Sunnys Freund und DJ-Kollegen Akira (Ill-Young Kim), auf der Flucht vor Gangstern, dener er Geld schuldet und Bruno (Lars Rudolph), Geschäftspartner von Lupo. Schließlich wäre da noch Corinna Harfouch als glatzköpfiger, brutaler Großdealer Duke (Mann oder Frau??? In jedem Fall eher lächerlich konstruierte Figur!).

Es geht um Hetze durch Tag und Nacht, um den Koffer voller Kokain, den der Duke von Lupo und Bruno erhalten soll, der aber plötzlich mitsamt Sunny und Shirley verschwindet, die allerdings gar nichts von ihrem vermeintlichen Glück wissen und auch eher zufällig gemeinsam auf die Flucht geraten. Es geht um Lupos Liebe zu Shirley, um Shirleys Suche nach Modeljob, Glück und sich selbst, um Sunnys starke Freundschaft zu Akira und um die Frage, was zum Teufel denn nun dieses Fandango sein soll.

Optisch ist der Film gut gelungen. Es gibt Bilder von schön designten Räumen, ob nun das Planschzimmer des Duke oder das asiatische Schlafzimmer mit Fischteich unter dem Bett. Es gibt schöne Momentaufnahmen, ob nun der Tanz im Regen oder die Sonnenuntergangsstimmung am Straßenrand. Es gibt einfach gute Kameraeinstellungen, gute Schnitte, gute Bildfolgen. In puncto handlung aber kann der Streifen nicht überzeugen, sie wirkt viel zu konstuiert, auf der Suche nach einem Stoff, der im Trend liegt. Bilder und Musik können schon einiges hermachen, aber das heißt nicht, dass die Handlung zweitklassig sein darf, weil sie im Ganzen aufgeht, nein, hier krankt der Film. Hier und dort ein guter Spruch oder Dialog, das war's dann aber auch, denn ansonsten sitzt man im Sessel und weiß nicht so recht, ob man sich nun über nette Aufnahmen freuen oder schlechte Story ärgern soll.

Wertung: 5 von 10 Punkten

(Tobi)