Fantasia 2000

Zeichentrick (& real), R: Butoy, Goldberg, Algar, Glebas, Brizzi, Hunt, Hahn, 75 Min.

1940 begeisterte Walt Disney mit seinem "Fantasia", einer audiovisuellen Verschmelzung von verschiedenen klassischen Musikstücken mit Zeichentrickfilm. Seine Pläne, jedes Jahr eine neue Fortsetzung zu verwirklichen, scheiterten an finanziellen Problemen, weshalb er sich anderen Projekten zuwandte. Nun aber ist es soweit, im Jahr 2000 ist nach acht Jahren Arbeit endlich eine Fortsetzung im Kino zu sehen, "Fantasia 2000".
Schon lange hatte Roy E. Disney, Neffe von Walt, geplant, seinen Lieblingsfilm "Fantasia" fortzuführen. In früheren Stadien dachte er an einen Streifen, der zur Hälfte aus Episoden des Originals, zur Hälfte aus neue welchen zusammengesetzt ist, unter dem Namen "Fantasia Continued". Nach und nach wurde aber immer klarer, dass man das Konzept anders gestalten müsste. So sammelte er Musikvorschläge und traf sich mit Zeichnern, bis das Team und der Aufbau des Films feststanden. Für den musikalischen Part wurde James Levine verpflichtet, um die Bilder kümmerten sich diverse Regisseure wie Hendel Butoy oder Eric Goldberg.
Die ersten Minuten von "Fantasia 2000" machen einen noch sehr skeptisch. Musikalisch hat man es mit hochklassigen Stücken zu tun, Beethovens "Symphonie No. 5" und Respighis "Pini Di Roma", dazu gibt es aber zum einen mal hand-, mal computeranimiertes Treiben von schmetterlingsähnlichen Dreiecken, zum anderen am Rechner entworfene Wale in einer kleinen Geschichte von Verlorengehen und Wiederzusammenführung. Würde der gesamte Film so bleiben, wäre er eine Enttäuschung, viel zu kalt und computerisiert kommen die Szenen daher. Zwischen den einzelnen Episoden gibt es witzige Realsequenzen mit Einleitungen zu dem jeweils folgenden Stück, wo Stars wie Steve Martin, Bette Midler, Angela Landsbury oder Quincy Jones zu Wort kommen. Diese Momente bleiben nicht die einzigen Highlights - von Episode 3 ab sieht man das, was man erwartet hat und sehen möchte.
Zu Gershwins "Rhapsody In Blue" sieht man hektisches Großstadtreiben mit diversen kleinen Geschichtchen über verschiedene Charaktere in der Stadt, wunderbar inszeniert und absolut zur Musik passend. Es folgt Schostakowitschs "Piano Konzert No. 2", zu dem das Märchen "Der standhafte Zinnsoldat" von Hans Christian Andersen in mal romantische, mal actionreiche Bilder umgesetzt wird. Auch hier wird viel mit Computeranimation gearbeitet, sie wirkt aber nicht steril wie bei den Walen zu Beginn, und so hat man seine Freude. Es folgt Saint-Saens "Karneval der Tiere", zu dem man einen Jo-Jo-spielenden und seine Artgenossen damit auf die Palme bringenden Flamingo sieht, auch nett. Dann die Hommage an "Fantasia" aus dem Jahr 1940, Micky als der berühmte "Zauberlehrling", den man als einziges aus dem Original übernommen hat und der immer noch genau so viel Spaß bereitet wie damals. Es folgt das Highlight der neuen Episoden, eine Arche Noah-Geschichte mit Donald und Daisy zu den Klängen von Elgars "Pomp And Circumstance", die einfach nur wunderbar ist, in Zeichnung, Inhalt und Musik. Abschließend gibt es Strawinskys "Der Feuervogel" zu Bildern, die von Zerstörung bis hin zur vor Hoffnung strotzenden Wiedergeburt über eine Fee erzählen.
"Fantasia 2000" ist, wenn auch mit kleinen Schwächen, ein schöner Film, der schon alleine aufgrund der tollen klassischen Musik sehenswert ist. Die Umsetzung derselben in Zeichentrick ist meist prima gelungen, lediglich zu Beginn holpert das Ganze. Mit diesem Streifen werden sicherlich auch einige vor allem Jugendliche, die Klassik bisher gemieden haben, an jene Musik herangeführt, man kann sich ihrem Zauber nämlich nicht entziehen, und dieser wird durch die Bilder wunderbar untermalt - eben mal anders herum: nicht die Musik zum Film, sondern der Film zur Musik.

Wertung: 7 von 10 Punkten

(Tobi)