FERIEN
Darsteller:  Britta Hammelstein, Detlev Buck, Inga Busch, Ferdinand von Schirach
Regie:  Bernadette Knoller
Dauer:  90 Minuten
FSK:  freigegeben ohne Altersbeschränkung
Website:  www.facebook.com/Ferien.film
 

„Ferien“ - wenn der Titel nicht zur Jahreszeit passt, dann weiß ich auch nicht. Allerdings kommt die Auszeit von Vivian (Britta Hammelstein) doch mehr oder weniger unfreiwillig und gestaltet sich dann auch ziemlich unkonventionell. Gerade noch auf bestem Wege, als junge Staatsanwältin beruflich voll durchzustarten, ereilt sie völlig unvermittelt der Burn-Out. Kaum krankgeschrieben, finden sie ihre eigentlich so stolzen Eltern auch schon komplett antriebs- und leidenschaftslos dauerhaft auf ihrer Couch wieder. Diesen Zustand finden die natürlich alles andere als erstrebenswert, und besonders auf dezentes Drängen von Papa (Detlev Buck) hin lässt sie sich auf die erhoffte heilsame Wirkung eines Tapetenwechsels ein.

Jetzt soll also die so oft zitierte Seeluft auf einer abgelegenen Nordseeinsel Abhilfe schaffen, und so schlecht ist die Idee auf den ersten Blick gar nicht. Die Entschleunigung tut der erschöpften Seele sichtlich gut, nur wollen seine gut gemeinten Therapieansätze so gar nicht zu Vivians Selbstoptimierung führen.

Eindrucksvoll transportiert Britta Hammelstein dabei die ganze Zerissenheit ihrer Vivian, die bislang in der Gesellschaft hauptsächlich funktioniert hat und erst jetzt richtig hinterfragt, ob es wirklich das ist, worauf es ihr im Leben eigentlich ankommt. Doch je mehr Fragen sie sich stellt, desto weniger Antworten darauf wollen sich einstellen, was die Situation auf der Insel nicht gerade einfacher macht. Zumindest ist schon nach kurzer Zeit klar, was sie alles nicht will und dass sie in ihr altes Leben nicht so bald zurückkehren möchte. Mit ihrem folgerichtigen Einzug bei der ebenfalls etwas alltagsgeschädigten Biene (Inga Busch) und ihrer Anstellung in einem wodurch auch immer getragenen Laden manifestiert sich dann ein doch ein bisschen länger ausfallender Aufenthalt als von ihrem Vater ursprünglich gedacht.

Das alles ist von Regisseurin Bernadette Koller in ihrem Erstling gut eingefangen. Und selbst wenn die Tochter von Detlev Buck ein wenig zu sehr in Vaters Fußstapfen wandelt, und so manche Szene durch Improvisation und Laiendarsteller arg an die einschlägigen Werke Helge Schneiders erinnern, so verliert sie doch nie ihr eigentliches Anliegen aus den Augen. Denn das ist gut erkennbar nach wie vor die Reflexion über unsere Leistungsgesellschaft und die Selbstfindung ihrer Protagonistin. Dass die aber nicht todernst und ohne Humor über die Bühne geht, macht den Film zu einem durchaus unterhaltsamen Erlebnis.



Wertung: 6 von 10 Punkten

(Mick)