FLEISCH IST MEIN GEMÜSE
Darsteller:  Maxim Mehmet, Andreas Schmidt, Susanne Bormann, Anna Fischer
Regie:  Christian Görlitz
Dauer:  101 Minuten
FSK:  freigegeben ab 12 Jahren
Weblink:  www.fleisch-ist-mein-gemuese.de
 

Hamburg-Harburg, Mitte der 80er Jahre. Heinz, Mitte zwanzig, hat es schon nicht leicht im Leben. Er wohnt mit seiner kranken Mutter (Susanne Lothar) in einem kleinen Reihenhaus, lebt ohne Job von Sozialhilfe und hat Dank seiner „Acne Conglobata“ auch keinen überragenden Erfolg bei Frauen. So besteht sein Tag hauptsächlich aus alkoholträchtigem Rumhängen auf Muttis Couch, Trösten seiner depressiven, übergewichtigen Nachbarin (Livia S. Reinhard), Konsum des einschlägigen Fernsehprogramms und endlosen Diskussionen mit seiner Mutter über seine Zukunft. Doch zumindest spielt er ganz passabel Saxofon und hat den Traum, eines Tages erfolgreicher Musikproduzent zu werden.

Was klingt wie das übertriebene Setup einer billigen Komödie, ist so, oder zumindest so ähnlich, wenn man den Aussagen des Autors glauben kann, tatsächlich passiert, denn der Streifen ist eine Verfilmung des gleichnamigen, autobiografischen Romans von Heinz Strunk, den manch einer als Teil der Hamburger Spaßkombo „Studio Braun“ kennen wird. Und so wird auch nicht enttäuscht, wer hier Humor der etwas derberen Sorte erwartet, sind die Hamburger Jungs doch nicht gerade dafür bekannt, ein Blatt vor den Mund zu nehmen.

Aber ganz so einfach ist es dann doch nicht, klar sind die Schilderungen der Erlebnisse von Heinz auf den Provinzfesten Norddeutschlands auf Komik ausgelegt, nachdem er sich als „Mucker“ der Showkapelle „Tiffanys“ angeschlossen hat, doch bevor der Film ins Blödeln abzugleiten droht, wird durch die eigentliche Tristesse seines Lebens immer wieder die Reißleine gezogen. Das aber ist bekanntermaßen überaus schwierig, und diese Balance zwischen Tragik und Komik gelingt auch nicht immer. Hat man sich gerade noch über den Auftritt auf einem Fest amüsiert, der die ganze provinzielle, miefige Atmosphäre in den 80ern samt zotiger Witze von Bandleader Gurki (wunderbar schmierig: Andreas Schmidt) so intensiv transportiert, als wäre man selbst dabei, wird man gleich anschließend mit dem Selbstmord von Heinz‘ Nachbarin konfrontiert. Das mag als Kontrast ganz gut funktionieren und Heinz‘ Welt charakterisieren, holpert aber im Verlauf des Films ungemein. Von den Sequenzen, in denen Heinz Strunk höchstpersönlich als schicker Hirschkopf-Wandschmuck im Dialog mit seinem jüngeren Alter Ego zur Handlung Stellung nimmt, mal ganz zu schweigen.

So wirkt bei aller Authentizität und Einfühlungsvermögen, das vor allem in den Auftrittszenen und bei Heinz‘ zögerlichen Annäherungsversuchen an die per Inserat gecastete, hübsche Sängerin Anja (Susanne Bormann), mit der er endlich seine Produzentenkarriere starten will, zur Geltung kommt, so manche künstlich witzige Szene reichlich aufgesetzt. Dennoch ist die große Stärke des Films seine messerscharfe Beobachtungsgabe, durch die die Szenen der Schlager- und Familienfestkultur trotz Spiels mit den Klischees wie aus dem Alltag der deutschen Gesellschaft geschnitten erscheinen. Und das reicht für gute Unterhaltung allemal aus.

Wertung: 6 von 10 Punkten

(Mick)