Forrester gefunden!

D: Sean Connery, Rob Brown, F. Murray Abraham, R: Gus Van Sant, 135 Min.

In Gus Van Sants neuem Film geht es wie schon in "Good Will Hunting" um verborgenes Genie. Diesmal ist es der 16-jährige Schwarze Jamal Wallace (Rob Brown), der neben seinem ebenfalls großartigen Basketballspiel ein weiteres Talent birgt, das ihn aus der heimatlichen South-Bronx heraus bringen könnte - die Schriftstellerei. Keiner weiß von den schreiberischen Fähigkeiten des belesenen, schlauen Jungen, bis er eines Tages bei einer Mutprobe einen Fehler macht, der ihm zu Nutzen werden soll. Oberhalb des an der Straße gelegenen Basketball-Courts lebt in einem Wohnhaus ein Mann, den die Jugendlichen nur "das Fenster" nennen, weil er nie das Haus verlässt, sie aber ständig durch sein fenster zu beobachten scheint, ohne dass ihn jemals auch nur irgend jemand zu Gesicht bekommen hätte. Jamal will sich als mutig beweisen und steigt durch ein Fenster in die Wohnung des vermutlich schlafenden Geheimnisvollen, um sich dort umzusehen und etwas mitgehen zu lassen. "Das Fenster" schläft aber nicht und erschreckt Jamal so, dass dieser beim Türmen seinen Rucksack liegen lässt, in dem sich auch einige Schriftstücke befinden. Als der Junge wenig später über die Straße läuft, fliegt ihm sein Rucksack vor die Füße, und später merkt er, dass seine Aufzeichnungen korrigiert worden sind. Es entwickelt sich - über zögerliches Kennenlernen, Herantasten und gegenseitiges Aneinander-Reiben - eine Freundschaft zwischen den beiden, und Jamal findet bald schon die Identität des "Fensters" heraus. Es handelt sich um William Forrester (Sean Connery), der vor 40 Jahren einen mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichneten Bestseller schrieb, dann völlig von der Bildfläche verschwand, ohne seinem so gut wie jedem bekannten Klassiker ein weiteres Buch folgen zu lassen. Er bittet Jamal, sein Geheimnis zu wahren, und hilft ihm, sein großes Talent zum Schreiben richtig zu nutzen, indem er ihn zu seinem Schüler macht. Privat läuft es unterdessen zwiespältig für den Jungen. Durch seine Leistungen im Basketball kommt er auf eine der renommiertesten Privatschulen der Ostküste, lernt dort auch die bezaubernde Claire (Anna Paquin) kennen, seine Freunde aus der Bronx wenden sich aber mehr und mehr vom neuen Eliteschüler ab, der keine Zeit mehr für sie zu haben scheint. Auch in der neuen Schule fallen Jamal die gebratenen Tauben nicht in den Mund. Im Basketballteam hat er bei den eingeschworenen Mitspielern keinen leichten Stand, und sein Literaturprofessor Crawford (F. Murray Abraham) zweifelt ob der hohen Qualität daran, dass Jamal seine Schriftstücke in Eigenregie verfasst. Ein anstehender Aufsatzwettbewerb weckt zudem den Ehrgeiz des verwirrten Jungen...
"Forrester gefunden!" ist ein gelungener Film über zwei völlig verschiedene Menschen, die sich gegenseitig kennen und respektieren lernen, wobei sie merken, in welchen Lebensbereichen sie voneinander profitieren können. Die Charaktere der Personen sind gut definiert uns ausgefüllt, die Handlung des Films bleibt trotz seiner Überlänge immer interessant, so dass man den Streifen durchaus empfehlen kann.

Wertung: 8 von 10 Punkten

(Tobi)