HAIL, CAESAR!
Darsteller:  Josh Brolin, George Clooney, Alden Ehrenreich, Tilda Swinton
Regie:  Joel Coen, Ethan Coen
Dauer:  106 Minuten
FSK:  freigegeben ohne Altersbeschränkung
Website:  www.hail-caesar-film.de
 

„Hail, Caesar!“, man glaube nicht, der Titel des Sandalenfilms-im-Film sei willkürlich gewählt worden. Der Name ist nämlich Programm in dem Jesus-Schinken, den Eddie Mannix (Josh Brolin) gerade produziert. In diesen guten, alten Zeiten war die Welt schließlich noch in Ordnung und die Hierarchien klar definiert: Wer nicht spurte, bekam schnell die römische Peitsche zu spüren.

Nicht so wie im Hollywood der 50er, wo sich doch eine Reihe Drehbuchschreiber mit etwas verqueren kommunistischen Ideen tatsächlich anmaßt, Baird Whitlock (George Clooney), den Hauptdarsteller des Streifens direkt vom Set weg zu entführen und Lösegeldforderungen zu stellen. Als hätte Mannix mit seinen anderen Filmprojekten nicht schon genug um die Ohren, muss er sich jetzt auch noch damit herumschlagen, Whitlock so schnell wie möglich wieder in die Studios zu bekommen, Zeit ist schließlich Geld.

Schon dieses Ausgangsszenario, das sich die Coen-Brüder hier für ihre Hollywood-Persiflage erdacht haben, birgt ein gewaltiges komödiantisches Potenzial, aber was sie im weiteren Verlauf daraus entwickeln, hat wieder den unnachahmlichen anarchischen Charme ihrer früheren Produktionen. Es zeigt sich bald, das das nur einer von vielen Handlungssträngen ist, die alle in den Händen von Mannix zusammen laufen, in dessen Rolle Brolin geradezu brilliert. Er gibt dem gestressten Produzenten situationsbedingt so viele Facetten, dass man sich zwischen Verachtung, Neid und Mitleid gar nicht richtig entscheiden möchte. Das ist herausragend gespielt, reiht sich aber ein in die Riege namhafter Darsteller, die in ihren jeweiligen Rollen absolut aufgehen.

Alle verkörpern sie kleine Rädchen in der großen, profitablen Filmmaschinerie, die mehr oder weniger ins Stocken geraten sind und nun darauf warten, dass Eddie Mannix kommt, um sie wieder gut zu schmieren. Dabei ist von dem nicht nur das gesamte Spektrum der Psychologie gefordert, denn alle sind sie hochempfindsame Stars, die unterschiedlich angepackt werden wollen. Er muss sich obendrein auch noch perfekt auf der Klaviatur des Problemmanagements von Diplomatie bis Einschüchterung zurechtfinden, um tagtäglich den Super-GAU zu verhindern.

Ob er sich nun um das promiskuitive, ungewollt schwangere Wasserballett-Sternchen (Scarlett Johansson), das Hadern seines sensiblen Starregisseurs (Ralph Fiennes) mit dem fehlbesetzten, talentfreien Cowboyhelden (Alden Ehrenreich) oder die richtige Publicity durch die Kolumnistinnen-Schwestern (Tilda Swinton in einer Doppelrolle) kümmern muss, jede Episode einzeln ist mit ihrer Top-Besetzung schon liebevoll inszeniert. Dass das alles auch noch durch die Klammer der subtilen Parodie zusammengehalten wird, verleiht dem Ganzen zusätzlich eine philosophische Tiefe, die man so anfangs gar nicht erwartet. Wollte man tatsächlich ein Haar in der Suppe finden, so sind die etwas langen Musical-Sequenzen künstlerisch sicherlich nicht jedermanns Sache, aber das ist Jammern auf ganz hohem Niveau.



Wertung: 8 von 10 Punkten

(Mick)