HALLAM FOE
Darsteller:  Jamie Bell, Sophia Myles, Claire Forlani
Regie:  David Mackenzie
Dauer:  96 Minuten
FSK:  Freigegeben ab 16 Jahren
Weblink:  www.thefilmfactory.co.uk/hallamfoe
 

Nachdem seine Mutter vor einigen Jahren im See vor dem einsamen Landhaus seiner Familie in den schottischen Highlands ertrank, gibt es für Hallam Foe (Jamie Bell) nur eine Schuldige - die inzwischen zur Stiefmutter gewordene Verity (Claire Forlani). Sie muss es gewesen sein, die seine Mutter betäubt und dann in einem Boot versenkt hat, und sein Vater Julius (Ciarán Hinds) ist ihr nur auf Grund seiner vermeintlichen Sexbesessenheit verfallen. Ob es so war, spielt für Hallam keine Rolle, denn von dieser Meinung weicht er sowieso nicht ab. Der eigenwillige Einzelgänger verbringt seine Tage in einem Baumhaus, malt sich wie ein Krieger an oder beobachtet - oft heimlich - seine Mitmenschen, in ihren Häusern, beim Sex im Wald, oder wo immer sie sich unbeobachtet fühlen. Wenn er im Haus ist, dann lässt er Verity seine Abneigung spüren, wobei sie aber dank ihrer Schönheit auch eines seiner liebsten Beobachtungsobjekte ist. Als Hallams Schwester das Anwesen verlässt, ist mit ihr sein letzter Anker verschwunden, und so macht auch er sich auf, um sich in der Großstadt durchzuschlagen. In Edinburgh angekommen merkt er, dass seine Kreditkarte vom Vater gesperrt wurde, und so sucht er sich diverse Schlafmöglichkeiten, am liebsten dort, wo er weiterhin Menschen beobachten kann.

Als er die hübsche Kate (Sophia Myles) trifft, da erinnert ihr Aussehen ihn so an seine Mutter, dass er ihr folgen muss, bis ins Hotel, wo sie als Personalchefin arbeitet. Durch seine offene, aber auch schüchterne Art gelingt es ihm, einen Job als Tellerwäscher im Hotel zu bekommen. Ist die Arbeit getan, so kennt Hallam kein anderes Hobby, als Kate zu folgen und sie nach einer kleinen Kletterpartie durch die Fenster ihrer Dachwohnung zu bespitzeln. Hierbei bekommt er mit, dass sie eine wilde Affäre mit dem Hotelmanager Alasdair hat, der seine Frau mit ihr betrügt. Nach einem gemeinsamen Saufgelage kommen sich Kate und Hallam näher, und was nur als Suff-Flirt beginnt, entwickelt sich zu mehr. Doch Alasdair ist wenig begeistert hiervon, und zudem ist die neue Rolle als handelndes Objekt im beobachteten Hort für Hallam nicht einfach zu begreifen - vor allem, wenn die Liebespartnerin wie seine Mutter aussieht...

"Hallam Foe" gewann bereits einige Preise - auf der der Berlinale 2007 gab es einen Silbernen Bären für die beste Filmmusik und den Preis der Gilde deutscher Filmkunsttheater, auf dem Edinburgh International Film Festival wurde er als bester britischer Film geehrt. Der Film weiß dann auch voll zu überzeugen, in seiner Story, in seiner Machart, mit seiner Musik, und schauspielerisch ebenso. Jamie Bell wäscht sich den "Billy Elliot"-Stempel endgültig vom Körper und bemalt diesen martialisch, um den manchmal bedrohlich abgedrehten und doch immer einem nahe scheinenden Jung-Mann verdammt überzeugend zu spielen. Und Sophia Myles ist wieder mal betörend, nicht nur in ihren ja mittlerweile nicht mehr ungewöhnlichen Nacktszenen. Die Story ist interessant, vermischt alltägliches Empfinden mit extremen Momenten, Liebe mit Hass, Freisein mit geistiger Gefangenheit. Hierbei ist sie stets kurzweilig und in gute Bilder gehüllt, teilweise poetisch aufgenommen oder aneinander gereiht. Klasse Independent-Streifen.

Wertung: 9 von 10 Punkten

(Tobi)