Harry meint es gut mit dir

D: Laurent Lucas, Sergi Lopez, Mathilde Seigner, R: Dominik Moll, 123 Min.

"Ein Film, an dem Hitchcock seine Freude gehabt hätte" - nur zu gerne wird ein Satz wie dieser gebraucht, sobald ein Film aus der Sparte Suspense Thriller einigermaßen gut ist. "Harry meint es gut mit dir" ist ein Film, der diese Einschätzung rechtfertigen könnte. Nach und nach baut sich eine Handlung auf, die zuerst mehr Beobachtung ist, gepaart mit einiger Komik, dann aber mehr und mehr an Brisanz gewinnt. Michel (Laurent Lucas) und seine Frau Claire (Mathilde Seigner) befinden sich mit ihren quengelnden Kindern auf dem Weg zu ihrem Sommerhaus, um die Ferien dort zu verbringen und den Fertigbau des Hauses voran zu treiben. Auf einer Rastplatztoilette trifft Michel seinen alten Schulkameraden Harry (Sergi Lopez) wieder, den er zuerst gar nicht erkennt, eine enge Freundschaft gab es offensichtlich nie zwischen beiden. Trotzdem drängt Harry darauf, mit seiner püppchenhaften, nicht besonders schlauen Freundin Plum (Sophie Guillemin) einen Abstecher zu Michels Haus zu machen, um sich über alte Zeiten zu unterhalten. Dort entpuppt sich Harry als Verehrer eines Gedichts, das Michel einst in der Schülerzeitung veröffentlichte, und auch eines nie vollendeten Prosatextes. Als der schwer reiche Harry auch am nächsten Tag nicht verschwindet, wird langsam klar, dass er sich einnistet, um Michel zu neuen schriftstellerischen Taten anzutreiben, was er aber anfangs geschickt zu verbergen weiß. Als allerdings Hindernisse auftauchen, macht sich Harry daran, diese aus dem Weg zu räumen...
"Harry meint es gut mit dir" schafft es wunderbar, schwarzen Humor und Suspense zu verbinden, wobei letzterer durch musikalische Elemente verstärkt wird. Die Dialoge überzeugen ebenso wie der Rest der Handlung und die Schauspieler. Ob Streitszenen zwischen Michel und Claire, ob die Anhimmelung Plums für Harry, ob dessen kühle Berechnung in jeder Phase - eine Inszenierung, die gefällt. Ein Film, an dem Hitchcock seine Freude gehabt hätte, bestimmt.

Wertung: 9 von 10 Punkten

(Tobi)