HEXE LILLI RETTET WEIHNACHTEN
Darsteller:  Hedda Erlebach, Jürgen Vogel, Michael Mittermeier, Anja Kling
Regie:  Wolfgang Groos
Dauer:  99 Minuten
FSK:  freigegeben ohne Altersbeschränkung
Website:  www.hexe-lilli-film.de
Facebook:  facebook.com/HexeLilli.DerFilm
 

Weihnachten ist ja eigentlich noch eine ganze Weile hin, trotzdem bringt Universum Film das dritte, diesmal adventliche Abenteuer der beliebten, kleinen Hexe Lilli schon jetzt in die deutschen Kinos. Bleibt nur zu hoffen, dass dieses Prozedere, ähnlich dem Weihnachtsgeschäft der Supermärkte, die das ja auch gerne über sechs Monate ausdehnen, nicht auch beim Film Schule macht. Nichtsdestotrotz ist es doch beruhigend schon frühzeitig zu wissen, dass das besinnliche Fest, wie es ja der Titel des Films verspricht, auch dieses Jahr nicht gefährdet ist.

In dieser neuen Verfilmung einer Kinderbuchvorlage des Erfolgsautors Knister, dessen "Hexe Lilli"-Reihe nun schon respektable 23 Teile umfasst, geht es also absolut weihnachtlich zu. Alles freut sich in der Adventszeit schon auf das nahende Fest, nur Lilli (Hedda Erlebach) geht so einiges gegen den Strich: Nicht nur verhindert ihr kleiner Bruder Leon (Claudio Magno) mit seiner Allergie die Erfüllung ihres größten Wunschs, einem Kaninchen, sondern obendrein zerstört er durch seinen Übermut auch noch Lillis gerade erst erhaltenes Nikolausgeschenk. Für Lilli steht spätestens da fest, dass sie ihm unbedingt eine Lektion erteilen muss. Was liegt da für sie näher, als durch einen Spruch aus ihrem Hexenbuch den Knecht Ruprecht (Jürgen Vogel) in die Gegenwart zu versetzen, auch wenn ihr der kleine Drache Hektor (Michael Mittermeier) davon dringend abrät. Wie sich herausstellt, hat der dafür plausible Gründe, denn Ruprecht hat nicht nur größte Schwierigkeiten, sich in der modernen Welt zurechtzufinden, sondern begegnet der ihm entgegengebrachten Ignoranz mit drakonischen Strafen. Dass er dabei wieder zu dem ihm immer noch innewohnenden Unterweltwesen mutiert, das Weihnachten ernsthaft gefährdet, kann dann nur noch der Nikolaus verhindern, der ihn ja schon einmal gezähmt hat.

In dieser Rolle des Knecht Ruprecht geht Jürgen Vogel richtig auf, meistert den Spagat zwischen Belustigung und Bedrohlichkeit mit seiner mittelalterlichen Sprache absolut brillant und weckt damit Erinnerungen an die ritterlichen, französischen "Besucher" Jean Reno und Christian Clavier ("Die Besucher", 1993). Dabei macht er so viel Spaß, dass man die Rahmenhandlung fast ein wenig vergisst, die aber von Regisseur Wolfgang Groos ("Die Vampirschwestern", "Systemfehler - Wenn Inge tanzt") solide in Szene gesetzt wird und tatsächlich so ein wenig Weihnachtsatmosphäre aufkommen lässt. Die Kinder, allen voran Hedda Erlebach als sympathische Hexe Lilli, können dagegegen natürlich nur schwer anspielen, machen ihre Sache aber hervorragend und werden im Gespann mit dem wieder liebevoll animierten Drachen Hektor zu wahren Identifikationsfiguren.

Dass nebenbei auch noch dezente Gesellschafts- und Konsumkritik anklingt, die die Gefahr für das eigentlich anders angelegte Fest ja erst heraufbeschwört, gibt der Handlung dazu die nötige Tiefe. Das allerdings ist so wohldosiert, dass es den Spaß am winterlichen Abenteuer zu keiner Zeit trübt, und so Vorfreude auf die nächste Weihnachtszeit weckt, auch wenn sie noch eine ganze Weile hin ist.



Wertung: 8 von 10 Punkten

(Mick)