High Fidelity

D: John Cusack, Iben Hjejle, Jack Black, Todd Louiso, R: Stephen Frears, 120 Min.

"High Fidelity", der Erfolgsroman von Nick Hornby, liegt nun also verfilmt vor, wobei sich Stephen Frears ("Gefährliche Liebschaften", "Grifters", "Ein ganz normaler Held") dem Stoff angenommen hat. Inhaltlich dreht sich alles um die Generation mit knapp mehr als 30 Lebensjahren, die musikalisch gesehen noch mit Vinyl-Scheiben aufgewachsen ist, und den Rückblick auf das bisher Erlebte in puncto Beziehungen. Der ehemalige DJ Rob (John Cusack, mit dem Frears bereits bei "Grifters" zusammen arbeitete) erzählt uns seine Leiden. Leiden, weil er gerade mal wieder verlassen wurde, von Laura (Iben Hjejle), seiner Langzeitfreundin. Rob definiert sein Leben häufig in Top 5-Listen, und Laura schafft es nicht einmal in seine Top 5 der unvergesslichen Trennungen, die man rückblickend auch zu sehen bekommt. Trotzdem leidet er. Seine riesige Sammlung an Schallplatten wird neu organisiert, und tagsüber lenkt er sich in seinem Plattenladen "Championship Vinyl" mit seinen beiden Mitarbeitern ab. Der rundliche Barry (Jack Black) ist ein witziges, aber für Rob in dieser Phase auch etwas nerviges Unikat. Er besteht darauf, das perfekte Montagmorgen-Tape abzuspielen, vertreibt einen Spießer als Kunden, weil ihm dessen Musikwunsch nicht zusagt, und träumt davon, selbst Karriere als Sänger zu machen. Das totale Gegenteil ist der ruhige, eher farblose, sehr schüchterne, einfach nur nette Dick (Todd Louiso), der Rob am liebsten bei der Problembewältigung helfen möchte, kann er aber natürlich nicht. Abends schleppen die beiden Angestellten Rob in einen Club, wo die Folksängerin Marie De Salle (Lisa Bonet) auftritt, die trotz eines Peter Frampton-Coversongs Robs Interesse erweckt, und so lernen die beiden sich kennen. Nichtsdestotrotz, Rob trauert Laura nach, ständig, überall. Und immer, wenn sie wieder einmal etwas von sich aus der ehemals gemeinsamen Wohnung holt, hofft Rob, ihr wieder näher kommen zu können - vergebens. So macht er sich weiter Gedanken über Frauen generell, über die Liebe, über das Leben - und (teilweise zusammen mit Dick und Barry) über diverse Top 5-Listen (die besten Songs auf einer ersten LP-Seite, die besten Trennungslieder, die besten Beerdigungslieder, ...). Das Stimmungstief wird erreicht, als Rob von Lauras bester Freundin Liz (gespielt von Joan Cusack, Johns Schwester) erfährt, dass seine Ex-Freundin jetzt mit Ian (Tim Robbins) zusammen wohnt, einem Fernostfreak, der einst über den beiden gehaust hat und dessen lautstarke Sexpraktiken sie oft mitanhören mussten. Dieser Ian - schlimmer hätte es nicht kommen können. Ist Laura nun also das Objekt seiner Lust? Warum gibt sie Rob nicht noch eine Chance? Und was machen eigentlich die Top 5-Mädels der schmerzlichsten Trennungen (eine von diesen wird von von Catherine Zeta-Jones verkörpert), vor allem, warum haben sie ihn verlassen? Rob ist in der Krise, zwischen Erinnerungen und Hoffnungslosigkeit, außerdem zwischen Laura und der Versuchung, sich sexuell abzulenken.
"High Fidelity" ist ein Film, der viel Freude bereitet und einen voll in seinen Bann zieht, sowohl in witzigen wie auch in ernsten oder melancholischen Momenten. Man kann sich prima mit Rob indentifizieren, und das nicht nur, wenn man auch eine Vinyl-Sammlung zuhause hat. Man beginnt, seine eigenen Top 5-Listen aufzustellen, ganz automatisch. Rob spricht zu einem, und es fällt nicht schwer, sich auf seine Geschichte einzulassen, ihm interessiert zuzuhören. Schauspielerisch ist der Streifen optimal besetzt, ob Rob und seine Angestellten, ob Tim Robbins als langhaariger Ian, ob Lisa Bonet als Sängerin, Joan Cusack als Liz oder die bisher eher unbekannte dänische Darstellerin Iben Hjejle als Laura. Hier stimmen Inhalt und Umsetzung - ein toller Film.

Wertung: 9 von 10 Punkten

(Tobi)