Kalender Girls



D: Julie Walters, Helen Mirren, Penelope Wilton, R: Nigel Cole, 108 Min.

Na das ist mal wieder ein richtig netter Film, der nur von seiner guten, humorvollen Story, den prima spielenden Darstellerinnen und auch einigen schönen Landschaftsaufnahmen lebt. Im Dorf Knapely in Yorkshire leben die Bewohner recht unspektakulär vor sich hin. Während die Männer sich nach der Arbeit gerne mal im Pub zusammen finden, sind die Frauen in einem Ortverband des Women's Institut vereint. Einmal monatlich gibt es hier einen Vortrag als fragwürdiges Highlight - mal über Brokkoli, mal über eine Kreuzfahrt, mal über Teppichknüpferei. Langweilig. Auch der jährlich produzierte Kalender bildet keine Ausnahme, und so wundert es keinen, dass man sich für Bilder einer Kirche als kommendes Thema entscheidet. Dass die energiegeladene Chris (Helen Mirren) eigentlich lieber george Clooney als Motiv gehabt hätte, ist ihr geringstes Problem. Zusammen mit ihrer besten Freundin Annie (Julie Walters) muss sie zusehen, wie deren liebenswürdiger Mann John (John Alderton) nach ausbrechender Leukämie-Krankheit im der Krebsabteilung des Krankenhauses seine letzten Tage verlebt und schließlich verstirbt. Kurz vor seinem Tod lobt er in einigen niedergeschriebenen Worten für das Women's Institue die Frauen von Knapely für ihre Schönheit im Alter. Als Chris in einer Werkstatt den obligatorischen Kalender mit nackten Frauen an der Wand sieht, hat sie eine Idee: Zusammen mit ihren ebenfalls alterstechnisch fortgeschrittenen Freundinnen könnte man den nächsten Kalender mit erotischen Fotografien aufnehmen, um mit dem Erlös ein neues Sofa für den Angehörigenraum im Krankenhaus zu finanzieren, wo sie einige Tage hart gesessen hatten. Zuerst sind alle für dieses projekt angesprochenen Ladies abgeneigt und schüchtern, dann aber erklärt ihnen Chris, dass es um Kunst, nicht um Pornografie geht, und der Zuspruch wächst langsam. Einen geeigneten Fotografen zu finden, ist nicht einfach, aber die Damen lösen auch dieses Problem. Selbst die anfangs sich klar distanzierende Ruth (Penelope Wilton) ist plötzlich mit von der Partie, und so machen die Frauen ihre Aufnahmen. Alles scheint gut zu laufen, bis die Ortsgruppenvorsitzende des Women's Institute zum Landesvorstand nach London reist, um den freizügigen Kalender verbieten zu lassen. Chris und Annie machen sich auf, für das Projekt zu kämpfen...

"Kalender Girls" basiert auf einer wahren Geschichte, die sich im Jahr 1999 abspielte - der erfolgreiche 2000er-Kalender des Rylstone and District Women's Institute verkaufte sich mehr als 300.000 Mal und brachte dem Krankenhaus 600.000 Pfund ein. Regisseur Nigel Cole ("Grasgeflüster") hat aus der Story einen warmherzigen, witzigen Film gemacht. Auch die kleinen Randgeschichten wie Ruths Probleme mit ihrem Mann oder die Suche von Chris pubertierenden Sohn nach sich selbst sind ausreichend beleuchtet. Helen Mirren ("Gosford Park") und Julie Walters ("Billy Elliot") spielen wunderbar, und so verlässt man das Kino voll zufrieden mit einem Gefühl a la "Na das ist mal wieder ein richtig netter Film".

Wertung: 9 von 10 Punkten

(Tobi)