The 13th Floor

D: Craig Bierko, Gretchen Mol, Vincent D'Onofrio, Armin Müller-Stahl, R: Josef Rusnak, 100 Min.

Los Angeles, 1997. Hannon Fuller (Armin Müller-Stahl), Chef einer High Tech-Firma, wird erschossen, kurz nachdem er verzweifelt versucht hatte, seinen engsten Mitarbeiter Douglas Hall (Craig Bierko) zu erreichen, um ihm etwas ungeheuer Wichtiges zu erzählen, auf das er gestoßen war. Am nächsten Tag erfährt Hall via Polizei vom Tod seines zum Freund gewordenen Chefs und wird auch gleich zum Mordverdächtigen, hat ihn doch Fuller zum Alleinerben der Firma bestimmt, obwohl plötzlich Jane (Gretchen Mol) auftaucht, Fullers Tochter, von deren Existenz bisher niemand etwas wußte. Hall selbst fragt sich, was er in der Mordnacht getan hat, er kann sich nämlich nicht erinnern, und am nächsten morgen fand er sein Hemd blutverschmiert. War er vielleicht wirklich der Mörder? Soweit ist "The 13th Floor" eine Kriminalgeschichte, wie man sie sicher schon einige Male gesehen hat, nun aber wird es interessant. In Fullers Firma nämlich gab es seit einiger Zeit eine absolute Neuentwicklung, die "Site", angesiedelt im 13. Stock des Hochhauses. Hierbei handelt es sich um ein Computerprogramm, das ein virtuelles Los Angeles der 30er-Jahre simuliert, mit erschaffenen Bewohnern, als deren Vorlage Fuller die Angestellten seiner Firma dienten, die aber nicht vollständig programmiert sind, sondern ein Eigenleben haben durch eigeständiges Denken und Handeln. Als User dieses Programms kann man sich, und das ist die neueste Entwicklung, für eine begrenzte Zeit in das Programm hereinladen, so daß man, während man im L.A. 1997 in einer Röhre liegt, einen Charakter im L.A. der 30er-Jahre übernimmt. Als Hall erfährt, daß sich Fuller eingeloggt hatte und in seiner Mordnacht noch versucht hat, ihn anzurufen, da entschließt er sich, in das Programm einzusteigen, um den Mord aufzuklären. Im Los Angeles von 1937 sieht er seinen Chef als freundlichen Buchhändler Grierson und seinen Arbeitskollegen Whitney als bösen Barkeeper Ashton, dem Fuller, als er sich in Grierson hereingeladen hatte, einen Brief für Douglas Hall anvertraut hatte, mit Informationen, die so unglaublich erscheinen, daß Ashton beinahe verrückt wird vor Verzweiflung an der eigenen Programmiertheit. Er will mit in die Wirklichkeit, woraufhin es zum Kampf zwischen Ashton und Hall kommt. Als es Whitney gerade noch gelingt, Hall in ins L.A. 1997 zurückzuholen, da entschließt sich Hall, das Projekt zu beenden. Plötzlich heißt es seitens der Polizei, Fuller habe nie eine Tochter gehabt. Hall ist verwirrt und macht sich auf die Suche nach der verschwundenen Jane. Es entwickelt sich ein spannender Streifen, der in der Frage gipfelt, wo die Realität denn anfängt bzw. aufhört. Ist vielleicht das Los Angeles 1997 auch nur eine Computersimulation?
"The 13th Floor", übrigens produziert von Roland Emmerich, mal wieder in Zusammenarbeit mit Michael Ballhaus, ist ein spannender und intelligent gemachter Film, der von einer guten Story ebenso lebt wie von seiner Stimmung, durch Bilder (farblich trostlosere Vergangenheit) und Musik geprägt. Ein Film, der von der ersten bis zur letzten Minute zu überzeugen weiß, der in puncto Ausgang nicht sofort durchsichtig scheint, der aber trotz der ob aller Technik leicht kompliziert erscheinenden Geschichte immer klar durchschaubar bleibt, der gut besetzt ist, der einfach zu empfehlen ist.
Wertung: 8 von 10 Punkten

(Tobi)