Auf die stürmische Art

D: Ben Affleck, Sandra Bullock, Maura Tierney, Steve Zahn, R: Bronwen Hughes, 106 Min.

So muß es wohl laufen. Hat man sich einmal wie Ben (Ben Affleck) dazu entschlossen, die Frau, die man für die Liebe seines Lebens hält, zu heiraten und ist der glücklichste Mensch auf Erden, kommen alle möglichen Leute zu einem und reden einem solange ins Gewissen, bis einem selbst Zweifel an der Entscheidung kommen. Daß es in Bens Fall aber sein Großvater ist, der ihm rät, seinen Entschluß noch einmal zu überdenken, trägt nicht gerade zu seiner Selbstsicherheit bei, wo er doch immer dachte, seine Großeltern würden die Musterehe schlechthin führen. So mit Selbstzweifeln vorbelastet besteigt unser Bräutigam nun das Flugzeug, um zu seiner Hochzeit in die Heimat seiner Verlobten Bridget (Maura Tierney) zu reisen, und was dann passiert, ist unter dem Thema dramaturgische Übertreibungsfreiheit abzuheften. Das Flugzeug muß nämlich den Start abbrechen und kommt erst nach Durchbrechen einer Absperrung zum Stillstand, wodurch sich Ben und seine etwas abgedrehte Sitznachbarin Sarah (Sandra Bullock) näherkommen. Wie es das Schicksal so will, sind alle anderen Flüge ausgebucht und auch Mietwagen sind nicht mehr zu bekommen, doch der attraktiven, wortgewandten Sarah gelingt es, für die beiden Zweckverbündeten eine Mitfahrgelegenheit aufzutreiben. Und auch, daß sie auf dem Highway von der Polizei angehalten und dann eingeknastet werden, weil man in dem Auto Drogen gefunden hat, kann man noch mit Pech erklären. Aber daß sie ihre Reise nach der Entlassung aus dem Gefängnis mit dem Zug fortsetzen, dessen außerplanmäßige Umleitung sie zu spät bemerken, und so in irgendeinem Kaff landen, kann zwar auf eine Verkettung ungünstiger Umstände geschoben werden, wirkt jedoch spätestens dann höchst unglaubwürdig. Doch damit ist ihre Odyssee keinesfalls schon beendet, denn Drehbuchautor Marc Lawrence hat noch etliche weitere komische Zufälle vorgesehen, um die Zeit, die die beiden miteinander verbringen, in die Länge zu ziehen, und damit dem unentschlossenen Ben seine Entscheidung noch schwerer zu machen als sie ohnehin schon ist. Dieser verliebt sich nämlich während des Trips in Sarah, die all das in sich vereint, was er bei Bridget vermißt: Ausgeflipptheit, Spontanität und feuriges Temperament. Schade nur, daß der Grundgedanke des Films, den Kampf eines Verlobten mit seiner eigenen Entscheidung darzustellen, in den Turbulenzen der Reise untergeht, die noch dazu Naturgewalten hin oder her - so stark übertrieben sind, daß man nach einiger Zeit nur noch ungläubig mit dem Kopf schütteln kann. Oder ist das zentrale Thema vielleicht doch zu zeigen, was bei einer einzigen Fahrt von Punkt A nach Punkt B alles schiefgehen kann, und daß man sich glücklich schätzen soll, wenn einem auf einer Reise nur halbsoviel passiert? Jedenfalls hätte es dem Film bestimmt gutgetan, hätte man auf ein wenig Handlung zu Gunsten der Figuren und ihrer Beziehungen zueinander verzichtet, die nur schemenhaft skizziert werden, und einem so relativ egal sind. Und ob sich Sandra Bullock unbedingt einen Gefallen damit tut, immer nur den weiblichen Part in zweitklassigen Liebeskomödien zu spielen sei mal dahingestellt. Außer dem Statement, daß die Entscheidung zu heiraten, keine leichte ist und durchaus zu schlaflosen Nächten führen kann, nimmt man also nur wenig mit von diesem Film, den man mit Verlassen des Kinos auch schon wieder vergessen hat.
Wertung: 4 von 10 Punkten

(Miguel)