Anatomie

D: Franka Potente, Benno Fürmann, Sebastian Blomberg, R: Stefan Ruzowitzky, 103 Min.

Paula (Franka Potente) ist eine ehrgeizige Medizinstudentin aus München, die sich als Zweitbeste ihres Jahrgangs bundesweit für einen Anatomie-Forschungslehrgang in den Semesterferien beim renomierten Professor Grombek (Traugott Buhre) an der Uni Heidelberg qualifiziert. Hierüber freut sie sich sehr, will sie doch ebenso wie ihr im Sterben liegender, geliebter Großvater Fachmedizinerin werden und nicht, wie ihr Vater, in einer kleinen Allgemeinmedizin-Arztpraxis enden. Aufgeregt fährt sie zum Lehrgang und trifft im Zug ihre Mitstudentin Gretchen (Anna Loos), die sich als Bundeserste ebenso ihren Platz dort ergattert hat, sich allerdings absichtlich gerne als dümmliches Blondchen gibt, um einen Mann nach dem anderen ins Bett zu kriegen. Plötzlich wird auf dem Gang nach einem Arzt gerufen, da der junge David (Arndt Schwering-Sohnrey) umgekippt ist. Paula rettet ihm mit Herzdruckmassage und Mund-zu-Mund-Beatmung das Leben und erfährt hinterher von ihm, dass er unter einem seltenen, scheinbar irreparablen Herzfehler leidet und öfters mal solche Anfälle erleiden muss. In Heidelberg angekommen werden die auf ein Zimmer gesteckten jungen Damen sofort von ihrem Kommilitonen umschwärmt, wobei die mit ihrem Rundungen kokettierende Gretchen kaum Verstehen kann, dass Paula sich auf den Lehrgang konzentrieren will, anstatt sich der Männerwelt hinzugeben. Der smarte Phil (Holger Speckhahn) blitzt bei Gretchen vorerst ab, da sie sich mehr für den Körper des durchtrainierten Hein (Benno Fürmann) begeistert. Paula wird vom etwas merkwürdig erscheinenden Caspar (Sebastian Blomberg) umworben, weist ihn aber zunächst ab. Am nächsten Tag treffen die beiden jungen Frauen David wieder und sind geschockt, denn er liegt als Leiche auf dem Seziertisch im Anatomiesaal vor ihnen, mit Stichwunden im Abdomenbereich. Professor Grombek fordert die merklich angeschlagene Paula auch noch auf, ihm das Herz herauszuschneiden, was diese, die Karriere immer fest im Auge, auch tut. Hierbei fällt ihr auf, dass Davids Blut eine ihr bisher unbekannte Konsistenz angenommen hat, es ist fest und klebrig. Entgegen den Anweisungen ihres Professors schickt Paula eine Gewebe- und Blutprobe zu einem Freund nach München, der ihr kurz darauf mitteilt, dass David keineswegs aufgrund seiner Herzprobleme gestorben ist, sondern man ihm eine verbotene Substanz namens Promidal gespritzt haben muss. Diese bringt das Blut innerhalb kurzer Zeit zum Gerinnen, so dass man den gesamten Körper beim lebendigen Leibe konservieren kann, was früher bei Tieren angewandt worden sei. Als Paula ausserdem einem kleinen Brandmal an Davids Körper nachgeht, kommt sie den früher im Dritten Reich existenten Antihippokraten auf die Spur, einem verbotenen Geheimbund von Medizinern, die Menschen zum Wohl der Forschung entführten, an ihnen lebend Organentnahmen und andere Experimente durchführten und sie dann verenden ließen. Sollten die Antihippokraten vielleicht doch noch praktizieren und David auf dem Gewissen haben? Paula wird bereits allerseits belächelt, wenn sie von ihrem Vermutungen berichtet. Plötzlich jedoch sind auch Gretchen und Phil, mit dem diese inzwischen auch eine Affaire hat, verschwunden, und Paula findet in ihrem Bett eine Blutlache vor, laut ihren Büchern ein Warnzeichen der Antihippokraten an Verräter...
"Anatomie" ist ein recht anständig gemachter Thriller, der eine klare Spannungssteigerung durchläuft und bei dem man das Ende auch nicht sofort vorhersehen kann, wenigstens nicht in aller Konsequenz. Die spätestens durch "Lola rennt" zum Shooting-Star gewordene Franka Potente spielt die Rolle der gegen Gretchen eher farblos erscheinenden Paula gut, und auch Benno Fürmann weiß wieder einmal zu überzeugen. In weiteren Rollen sieht man einige neuere Gesichter, die Kinoformat offenbaren. Die Handlung weist allerdings durchaus auch einige Stellen auf, die zu konstruiert erscheinen. Ein Streifen, den man aber sehen kann.
Wertung: 6 von 10 Punkten

(Tobi)