Antz

Computeranimation, R: Eric Darnell, Tim Johnson, 82 Min.

Es tut sich was auf dem Gebiet der Computeranimationen, denn mit der fortschreitenden Entwicklung in der Computertechnik mit immer schnelleren Prozessoren und immer mehr verfügbarem Speicherplatz werden Projekte möglich, an deren Verwirklichung noch vor ein paar Jahren keiner wirklich zu denken gewagt hätte. So auch "Antz", der nach "Toy Story" zweite komplett computeranimierte Film, der in der Qualität der Bilder kaum Wünsche übrig läßt, so perfekt werden die Tricksequenzen hier auf die Leinwand gezaubert. Diesmal geht es um eine Ameisenkolonie, deren Welt unter der Erde mit viel Phantasie nachempfunden wurde, und das Schicksal einiger ihrer Mitglieder, die, mit menschlichen Charakterzügen wie Machtstreben, Individualismus oder Verträumtheit ausgestattet, ihr Leben so gut wie möglich zu meistern versuchen. Z, eine Arbeiterameise von Geburt an, ist es leid, tagein tagaus am Tunnelsystem des Baus zu arbeiten und nur nach den Schichten beim Kneipengespräch oder kommunalen Tanz etwas Zerstreuung zu finden. Er träumt von einer Flucht nach "Insectopia", dem Schlaraffenland der Ameisen, von dessen Existenz ihm jemand erzählt hat, wo er ein abwechslungsreicheres und erfüllteres Leben führen kann. Bis die Abwechslung in Form der liebreizenden Prinzessin Bala in sein Leben tritt, in die er sich natürlich sofort verliebt. Um sie wiederzusehen, tauscht er den Job mit seinem Kumpel, dem Soldaten Weaver, ohne zu wissen, daß General Mandible, Oberbefehlshaber der Truppe und Verlobter von Bala, einen teuflischen Plan verfolgt. Er will nämlich mit Bala zusammen eine neue, ihm völlig hörige Kolonie gründen und deswegen sollen alle königstreuen Ameisen einschließlich der Königin selbst sterben. Mit dieser Handlung werden in alter Tradition der Fabeln geschickt Probleme des menschlichen Zusammenlebens auf die Ameisen projiziert, die durch ihr gelungenes Design, in dem viel Liebe steckt, in der Lage sind, beim Zuschauer Mitgefühl zu erwecken. Wegen dieser niedlichen Tierchen ist der Film besonders auch für Kinder geeignet, die bei deren Abenteuern bestimmt ihren Spaß haben und durchaus ernste Inhalte wie Sozialkritik und Aufzeigen von Machtstrukturen in anderer, weil nicht von Menschen vorgetragener, Form vermittelt bekommen. Aber auch der erwachsene Zuschauer wird bei diesem Streifen auf seine Kosten kommen, wenngleich die Story leicht vorhersagbar ist und nicht viel Arbeit beim Mitdenken erfordert. Umso mehr Zeit hat man deshalb, sich an der technischen Perfektion der Animation, von der Mimik der Gesichter über die großartige Verwirklichung von Massenszenen bis hin zur Erzeugung von realen Lichtverhältnissen und Oberflächen sowohl unter der Erde im Bau der Ameisen als auch ganz besonders über der Erde in einer Welt, die man aus anderer Perspektive sehr gut kennt, zu erfreuen. Die Regisseure Darnell und Johnson haben mit diesem Film zwar nicht das herausragende Werk der Geschichte geschaffen, aber dem Produktionsteam ist mit viel Liebe zum Detail und dem entsprechenden Know-how ein nettes Stück Unterhaltung gelungen.
Wertung: 6 von 10 Punkten

(Miguel)