Die Asche meiner Mutter

D: Emily Watson, Robert Carlyle, R: Alan Parker, 143 Min.

Ach, wie geht es einem doch gut, und wie selten wird dies einem mal so richtig bewusst. "Die Asche meiner Mutter" ist so ein Nachdenklichmacher. Der Film beginnt in Brooklyn in den 30er-Jahren, wo Malachy (Robert Carlyle) und Angela McCourt (Emily Watson) bereits ein paar Jahre lang als Einwanderer aus Irland versuchen, ihr Glück zu finden. Dies gelingt ihnen aber nicht, sie leben in Armut, und so ist die Geburt von Tochter Margaret Mary nach vier Söhnen für das Paar ein glücklicher Moment, ein Lichtblick in all dem Dunkel, was sie umgibt. Nach sieben Wochen allerdings stirbt das Baby, Leere und Trauer greifen um sich. Malachy, seines Zeichens arbeitsloser Alkoholiker, ertränkt seinen Kummer im Suff, während Angela völlig fertig mit der Welt von Depressionen ans Bett gefesselt wird. Nun ist es am ältesten Sohn Frank (Joe Breen), fünf Jahre, und seinem ein Jahr jüngeren Bruder Malachy Junior, auf die schwächsten Glieder der Familie, die Zwillinge Oliver und Eugene aufzupassen. Nichts zu Essen, nichts zum Heizen - die Lage scheint ausweglos. Angelas Cousinen sind derselben Ansicht und bitten daher per Brief Angelas Mutter in Limerick, Geld zu schicken, damit die Familie nach Irland heimkehren kann. So verlassen die McCourts New York wieder und kehren heim, in eine nicht rosiger ausschauende Zukunft. Angelas Familie zeigt sich, im Glauben streng katholisch, erschüttert über ihre Ehe mit dem Protestanten Malachy aus Belfast, und so blicken die Verwandten auch auf die vier Kinder, so gut wie gar nicht mit Religionskenntnissen ausgestattet, herab. Mit etwas geliehenem Geld von Angelas Mutter wird eine kleine Wohnung angemietet, kalt und feucht, außerdem von Flöhen befallen. Malachy versucht, die Familie, insbesondere die Kinder, mit seinen Geschichten aufzumuntern, und hierfür lieben ihn die Jungs. Trotz etwas Nahrung und Kohle zum Heizen, die sie von der Gemeinde erhalten, reicht es vorne und hinten nicht zum Überleben, und so fordert die Mangelernährung und Feuchtigkeit ihr Tribut - Oliver stirbt. Wieder steckt Angela voller Schmerz, wieder ertränkt Malachy selbigen in Alkohol, für den er das bisschen Geld, das der Familie bleibt, zum Fenster hinaus wirft. So geht es von Unheil zu Unheil weiter. In der Schule macht Frank zuerst einmal Bekanntschaft mit ihn als Yankee hänselnden Mitschülern und dem Lederriemen des Lehrers. Zuhause stirbt auch Eugene, und wieder geht Malachy saufen. Hat er mal einen Job, so verliert er ihn am nächsten Tag wieder, weil er besoffen im Bett oder auf der Treppe liegt, anstatt zur Arbeit zu gehen. Angela verschafft der Familie eine neue Wohnung, aber auch diese stellt sich als tückenhaft heraus, steht eine der zwei übereinander liegenden Etagen doch schon bald ständig unter Wasser. Frank, aus dessen Sicht die Geschichte erzählt wird, übernimmt mit wachsendem Alter mehr Verantwortung und eifert stets seinem Ziel nach, irgendwann doch wieder nach Amerika fahren zu können. Das Elend der Eltern, die erste Liebe, Sehnsüchte, Mut und Trauer liegen für ihn in den geschilderten Jahren (wobei Ciaran Owens den mittleren und Michael Legge den älteren Frank darstellen) dicht beieinander.
"Die Asche meiner Mutter" basiert auf der Lebenserzählung des wahren Frank McCourt und ist somit keine erdachte Geschichte. Weiß man dies, so scheint es umso bemerkenswerter, wie für Frank die Geschichten des Vaters, den er liebt und für seinen Suff und seine Schwäche verabscheut zugleich, wichtiger sind als das Elend, das ihn umgibt. Frank kämpft für seinen Traum, als er alt genug ist, ihn zu begreifen. Ein Film, der wie gesagt klar macht, wie gut es einem doch geht. An einigen Stellen hätte man ihn allerdings etwas kurzatmiger schneiden können. Alles andere als leichte, vergnügliche Abendunterhaltung.
Wertung: 7 von 10 Punkten

(Tobi)