Bowfingers große Nummer

D: Steve Martin, Eddie Murphy, Heather Graham, Christine Baranski, R: Frank Oz, 97 Min.

Die Rechnung ist ganz einfach: man nehme mit Eddie Murphy und Steve Martin zwei der namhaftesten Komiker Hollywoods, lasse sie zusammen in einem Film auftreten und schon erhält man als Resultat den Mega-Brüller des Jahres. Aber da muss man sich doch die Frage stellen, ob sie auch so ohne Weiteres aufgeht, denn, schauspielerische Leistung hin oder her, wie wir alle wissen steht und fällt ein Film mit der Qualität des Drehbuchs. Und das liegt mit seiner Verknüpfung von Film-im-Film- und Alien-Story schon mal voll im Trend, was stark danach aussieht, als wäre hier jemand gerade so noch auf einen fahrenden Zug aufgesprungen, und so nur danach schreit, von der Kritik in der Luft zerrissen zu werden. Doch dazu hat Autor Steve Martin viel zu viel Gespür für Situationskomik und kann mit der Idee, einen Schauspieler eine Hauptrolle in einem Film spielen zu lassen, ohne dass dieser es bemerkt, trotz einiger Parallelen zu Werken wie etwa "Die Truman-Show", das einem dabei sofort einfällt, auf jeden Fall Originalitätspunkte sammeln. Martin spielt hier selbst den ambitionierten aber erfolglosen Regisseur Bobby Bowfinger, der in Hollywood mehr oder weniger vor sich hin vegetiert, bis ihm ein in seinen Augen geniales Drehbuch angeboten wird, das ihm den Durchbruch bringen soll. Bei seiner Suche nach Geldgebern für das Projekt stößt er aber bald auf das Problem, mit seiner Besetzung der Hauptrollen durch die zweitklassige, abgehalfterte Schauspielerin Carol (wunderbar divenhaft: Christine Baranski), den selbstgefälligen Slater (Kohl Sudduth) und die frisch von der Straße weg rekrutierte Unschuld vom Lande Daisy (Heather Graham) wenig Eindruck machen zu können. Also muss mit dem Actionstar Kit Ramsey (Eddie Murphy) ein zugkräftiger Name her, der nach Verweigerung der Zusammenarbeit einfach ohne sein Wissen in die Dreharbeiten eingebunden wird. Einfach großartig gestaltet sich dann die Produktion, bei der auf Grund des schmalen Budgets das Equipment aus den Lagerhallen eines großen Studios "geborgt" wird und für das Filmteam mexikanische Hilfsarbeiter direkt von der Melonenernte weg verpflichtet werden. Natürlich treten die Schauspieler wahlweise als blutende Aliens auf offener Straße oder als unsichtbare Verfolger im Parkhaus in Kontakt mit der Privatperson Kit Ramsey, was bei diesem eine handfeste Paranoia auslöst. So ziehen sich die netten Einfälle wie ein roter Faden durch den gesamten Film, während die Handlung eigentlich nur so vor sich hin plätschert. Unbedingt Erwähnung finden muss dabei eine Szene, in der das für die Nahaufnahmen des Stars Kit Ramsey verpflichtete Double - zufälligerweise dessen etwas zurückgebliebener Bruder Jiff, den (mit Hornbrille und Zahnspange) zu spielen sich Eddie Murphy selbstverständlich nicht nehmen lässt einen viel befahrenen Highway überqueren soll, auf dem angeblich nur eingeweihte Stuntfahrer unterwegs sind, und das Duo Martin/Murphy so wundervoll harmoniert, dass sein geballtes komödiantisches Talent voll zur Geltung kommt. Aber auch immer wieder auftauchende komische Highlights können über die doch recht dünne Story mit einigen Längen nicht hinweg täuschen, weswegen dieser durchaus ansehnlichen locker-flockigen Komödie der Titel Gagfeuerwerk leider nicht verliehen werden kann.
Wertung: 6 von 10 Punkten

(Miguel)