Düstere Legenden

D: Alicia Witt, Jared Leto, Robert Englund, R: Jamie Blanks, 99 Min.

Düstere Legenden haben sich in unserer Zeit manifestiert. Sei es die Geschichte vom Kindermädchen, das Drohanrufe bekommt und dem von der Polizei nach einer Rückverfolgung derselben gesagt wird, sie kämen aus dem Haus, in dem sie gerade babysittend weilt, nur eine Etage höher. Sei es der Junge, der nach dem gemeinsamen Genuß von Pop Rocks und Cola förmlich innerlich explodiert und daran zugrunde geht. Düstere Legenden, die jeglicher Wahrheit entbehren und die sich Jugendliche im ganzen Land immer wieder in leicht veränderten Versionen erzählen, wie Professor Wexler (Robert Englund) seine Studenten lehrt.
Keine Legende ist allerdings die schockierende Nachricht vom Mord an der Schülerin Michelle, die die Studenten des Pendleton College in New England erschüttert. Sie wurde auf grausame Weise in ihrem Auto von einem auf der Rückbank versteckten Mörder mit dem Beil enthauptet. Nun macht auch wieder das Gerücht die Runde, daß in der stillgelegten Stanley Hall auf dem Campus vor 25 Jahren ein verrückter Psychopath die Bewohner eines ganzen Stockwerkes kaltblütig umgebracht habe und daß man sie immernoch schreien hören könne, wenn man genau hinhört. Die Freundinnen Natalie (Alicia Witt) und Brenda (Rebecca Gayheart), sowie der Scherzbold Damon (Joshua Jackson) nehmen die Geschichte nicht ernst, auch der Unizeitungs-Redakteur Paul (Jared Leto) verweist sie ins Land der düsteren Legenden.
Als sich Damon im Auto auf einem einsamen Waldabschnitt an die angeschlagene Natalie, die die Ermordete gut kannte und mit ihr ein bitteres Geheimnis aus vergangenen Tagen hütete, auf plumpe Weise heranmacht, weist sie ihn zurück. Gefrustet verläßt er den Wagen, um auszutreten, und wenige Augenblicke später ist auch Damon tot, hängt entstellt an einem Seil. Natalie kann dem Mörder, der sein Gesicht unter der fellberandeten Kapuze einer Jacke verbirgt, gerade noch entfliehen. Die Polizei glaubt Natalie nicht, da keine Leiche am Tatort gefunden werden kann und Damon schon immer für makabere Scherze bekannt war. Als auch noch ihre gruftige Zimmergenossin Tosh abgemurkst wird, während Natalie mit dem Walkman nur wenige Schritte entfernt liegt und das Licht nur nicht angeschaltet hat, um sie nicht wieder, wie kurz zuvor, beim Liebesspiel zu stören, beginnt die Mordserie, Struktur zu erhalten - die düsteren Legenden werden in die Tat umgesetzt, fragt sich nur, wer hinter der Kapuze steckt.
Düstere Legenden ist ein Horrorfilm, der klar die Tradition von "Scream" oder "Ich weiß, was Du letzten Sommer getan hast" fortsetzt, wobei die bissige Selbstironie des Horrorgenres, wie sie "Scream" in wunderbarer Weise vorgeführt hatte, ausbleibt. Die Spannung wird durch ein Grübeln, wer der Übeltäter ist, konstant gehalten, Schockeffekte in Form von normalen Remplern unter Kommilitonen mit akustischem Schrecklaut oder aber von wirklicher Gefahr durch den Mörder verabreicht. Die Handlung ist okay, aber auch nicht sonderlich einfallsreich. Das Beste am Film ist vielleicht, daß man mal wieder an die guten alten, im Mund so herrlich knisternden Pop Rocks erinnert wurde, ist ja lange her, daß sie in Mode waren. Ansonsten ist "Düstere Legenden" ein solider Horrorfilm, der weder positiv noch negativ besonders auffällt. Wer Lust auf 99 düstere Minuten verspürt, der ist schon nicht so falsch bedient.
Wertung: 6 von 10 Punkten

(Tobi)

Schon wieder so ein Horrorschocker. Diesmal spielt er mal wieder im Studentenmilieu, denn was eignet sich besser zum Dahinmetzeln als gutaussehende, knackige Studentinnen? Auf dem Campus geht die Angst um, weil eine Studentin auf grausame Weise ermordet wurde. Dabei kommen einem die Begleitumstände des Mordes bekannt vor, denn es handelt sich um eine sogenannte urbane Legende, eine Geschichte, die irgendeinem Bekannten oder einem Bekannten eines Bekannten auch schon mal passiert ist, wie die des Jungen, der Pop Rocks aß und dazu Cola trank, und dessen Magen daraufhin explodierte. Hier ist es die Legende der Person, die sich auf dem Rücksitz des Autos versteckt und einen dann während der Fahrt angreift, wobei der Angriff in diesem Fall unglücklicherweise mit einer großen Axt erfolgte. Eine Gruppe von Studenten erkennt das Strickmuster des Mordes wieder und verdächtigt sofort ihren Professor, der diese urbanen Legenden zum Gegenstand seiner Vorlesungen macht und außerdem in eine ebenso mysteriöse Mordserie vor einigen Jahren an gleicher Stelle verwickelt war. Als dann auch noch einer der ihren nach Legenden-Art ums Leben kommt, bricht endgültig Panik aus, und die Freunde beschließen, der Sache selbst auf den Grund zu gehen, doch das Morden will kein Ende nehmen. Bei diesem Streifen kommt erneut das simple Prinzip "Unheil bricht über die heile Welt der schönen Menschen herein" zum Einsatz, aber irgendwie kommt trotz der eigentlich gut durchdachten Story, die so manche ungeahnte Wendung nimmt, keine richtige Spannung auf, was zum einen daran liegt, daß die Figuren einfach zu blaß bleiben, als daß man Mitleid mit ihnen haben könnte, und zum anderen hätte es nicht schaden können, mit Lichteffekten etwas sparsamer umzugehen. So wird man in einigen Sequenzen vom Stroboskop-Licht, das einem wohl das Gewitter vergegenwärtigen soll, an den Rand eines epileptischen Anfalls gedrängt, worunter dann der Realismus der Szenen leidet, zumal man Blitze anscheinend nur bei Einstellungen, die das vermeintliche Mordopfer zeigen, wahrnehmen kann. Deshalb wirkt so manche Szene, die eigentlich den Höhepunkt an Spannung erzeugen sollte, künstlich und somit unfreiwillig komisch. Aber dafür wird die Handlung konsequent verfolgt, und man wird durch geschickte Hinweise immer wieder in die Irre geführt, was zur Folge hat, daß einen die Gedankenspiele um die Frage nach dem Killer ununterbrochen beschäftigen. Somit braucht man sich nicht zu langweilen, obwohl die Ansprüche, die man an einen Horrorfilm stellt, nicht unbedingt erfüllt werden, denn zu einem guten Schocker gehört eben mehr als nur das Erzählen der Geschichte eines durchgeknallten Massenmörders, obwohl der mit seiner weit über das Gesicht gezogenen Kapuze und ihrem Fellrand auf jeden Fall Kultpunkte holt.
Wertung: 6 von 10 Punkten

(Miguel)