Doppelmord

D: Ashley Judd, Tommy Lee Jones, Bruce Greenwood, Annabeth Gish, R: Bruce Beresford, 105 Min.

Wie schön, dass es noch Gerechtigkeit gibt im Leben. Wenigstens manchmal. Und manchmal muss man eben wie Libby (Ashley Judd) ein bisschen nachhelfen. Sie hat eigentlich alles, was man sich wünschen kann. Ein ausgefülltes Leben an der Seite eines liebevollen Ehemanns, Wohlstand, einen netten Freundeskreis und einen wunderbaren Sohn. Doch von einem Tag auf den anderen, durch ein blödes Ereignis, ist alles weg. Einfach so, wie ausgelöscht. Plötzlich sitzt sie wegen Mordes im Gefängnis, und das nur, weil sie mit ihrem Mann Nick (Bruce Greenwood) einen Ausflug auf einem Segelboot gemacht hat. Denn was wie eine romantische Tour auf dem Wasser begann, endete mit einem Alptraum: ihr Mann ist auf hoher See, während sie schlief, verschwunden und alles was er an Bord zurückließ, war massenweise Blut. Und da die Küstenwache sie mit einem blutigen Messer in der Hand auf dem Boot vorfand, lag die Verurteilung mangels weiterer Tatverdächtiger nahe. So bleibt ihr nur die Hoffnung, die durch die Besuche ihres Sohnes mit ihrer besten Freundin Angie (Annabeth Gish) genährt wird, sich nach ihrer Entlassung ein neues Leben aufzubauen. Aber selbst dieser Strohhalm, an den sie sich noch klammern kann, zerbricht, als die Besuche ausbleiben und sie über das Telefon durch einen dummen Zufall mitbekommt, dass ihr Mann nicht tot ist, sondern mit Angie und ihrem Sohn zusammenlebt.

Einfach klasse ist es, wie einem die Gefühlslage der Hauptdarstellerin vermittelt wird. Wie die vollkommene Leere nach der Verurteilung der Hoffnung weicht, die wiederum bei dem Telefonat, das ihr wie ein Leberhaken die Luft nimmt, geradezu zerschmettert wird. Was danach bleibt, ist einfach nur Wut und der Gedanke an Rache. Und damit ist sie im Gefängnis genau richtig, denn an Unterstützern von Racheaktionen besteht dort sicherlich kein Mangel, wobei eine Insassin sogar über fundierte juristische Kenntnisse verfügt und ihr erklärt, dass man nicht für ein und das selbe Verbrechen zweimal verurteilt werden kann. Das heißt, dass sie ihren Mann, sollte er noch am Leben sein, einfach umbringen könnte, ohne dafür belangt werden zu können.

Auf dieser Tatsache baut nun der Rest des Films auf, denn sie ist Libbys Antrieb, ihre Haft zu überstehen, um sich endlich rächen zu können. Dass ihr dabei ihr Bewährungshelfer Lehman (Tommy Lee Jones in alter "Auf der Flucht"-Manier mal wieder als Verbrecherjäger) in die Quere kommt, der sie auf der Suche nach ihrem Mann gnadenlos verfolgt, gibt der Story noch die nötige Tiefe, die einen Libbys Rachefeldzug noch gespannter verfolgen lässt. Noch dazu ist der Film keinesfalls so eindimensional, wie einen die typische Jäger-Gejagte-Konstellation denken lassen könnte, wechselt Lehman doch immer mehr die Seiten, je mehr er von Libbys Fall erfährt. Somit bereitet einem ihre Suche nach Gerechtigkeit, die sie quer durchs Land und in so manch kitzlige Situation führt, sehr großes Vergnügen und lässt obendrein dem Ausgang der ganzen Geschichte ausnahmsweise mal mehr als nur eine Möglichkeit.

Wertung: 8 von 10 Punkten

(Miguel)