Der Soldat James Ryan

D: Matt Damon, Tom Hanks, Edward Burns, Jeremy Davies, R: Steven Spielberg, 167 Min.

6. Juni 1944, Normandie. Amerikanische Einheiten landen an der Küste des von Deutschland besetzten Frankreich, unter ihnen Captain John Miller (Tom Hanks) mit seinen Leuten. Und da bricht es über einen herein: kaum ist einem bewußt geworden, daß sie sich im Kampfeinsatz befinden, trifft einen auch schon die Faust des Kriegsgeschehens genau in die Magengrube, denn die deutschen Maschinengewehrstellungen mähen reihenweise Soldaten um, egal ob über oder unter Wasser, und Granateneinschläge zerfetzen menschliche Körper. Dabei verleiht Regisseur Spielberg zusammen mit Kameramann Janusz Kaminski den Szenen einen Realismus, der einen glauben läßt, man wäre mitten unter den Angreifern am Strand. Und er geht mit einem auch keineswegs zimperlich um, wenn er einem eine halbe Stunde lang Kugeln und Granaten um die Ohren fliegen läßt und schwerste Verletzungen überaus detailliert darstellt. Aber nachdem einem durch das anfängliche Gemetzel das ganze Grauen des Krieges vor Augen geführt wurde, senkt Spielberg die Schlagzahl und gibt der Handlung eine Chance, sich zu entwickeln. Im Lager im Landesinneren, das die amerikanischen Truppen trotz großer Verluste bei der Invasion erreicht haben, erhält nämlich Captain Miller den Auftrag, verstärkt durch sieben seiner Männer James Ryan (Matt Damon), das Mitglied einer Fallschirmspringereinheit, hinter den deutschen Linien ausfindig zu machen und nach Hause zu schicken, da seine drei Brüder vor kurzem gefallen sind, und der Familie von Seiten des Verteidigungsministeriums nicht noch mehr Leid zugemutet werden kann. Dabei wirft Spielberg die Frage auf, womit die Aktion überhaupt zu rechtfertigen ist, bei der acht Menschen ihr Leben riskieren, um das eines einzigen zu retten, und ob man den Wert eines Menschenlebens mit dem anderer vergleichen kann. Außerdem benutzt er den Einsatz dazu, die Atmosphäre in den Kriegsgebieten nachzuzeichnen und versteht es wie kein Zweiter, die Stimmungen der Soldaten einzufangen. Trauer und Verzweiflung in der einen Szene wechseln hier mit Wut und Angst in der nächsten, wobei großartige schauspielerische Leistungen zum Gelingen des Films beitragen, allen voran die von Tom Hanks, der in der Rolle des erfahrenen, abgeklärten Captain zeigt, daß er wirklich alles spielen kann, obwohl man ihn sich vorher in dieser Rolle so gar nicht vorstellen konnte. Auch Jeremy Davies, der als Dolmetscher Upham an diesem Einsatz teilnimmt und dabei zum ersten Mal in Kampfhandlungen hineingezogen wird, spielt als Identifikationsfigur des Publikums eine wichtige Rolle, die er glaubwürdig ausfüllt und den Zuschauer stark an seinen Erlebnissen teilhaben läßt. Trotz aller Qualitäten stellt sich einem aber die Frage nach der Motivation des Films, denn im Gegensatz zu früheren Anti-Kriegsfilmen wie "Platoon" oder "Full Metal Jacket" werden die GIs hier doch reichlich heldenhaft dargestellt, was sich mit der dargestellten Gewalt nicht so recht verträgt und dem Streifen ohne den philosophischen Aspekt den Charakter eines Abenteuerfilms verleiht. Aufgrund der ausgezeichneten Schauspieler und des Realismus hat Meister Spielberg aber wieder einen sehenswerten Film abgeliefert, der zwar nicht für ganz zarte Gemüter geeignet ist, einem dafür aber einigen Stoff zum Nachdenken gibt.
Wertung: 7 von 10 Punkten

(Miguel)