EDtv

D: Matthew McConaughey, Jenna Elfman, Woody Harrelson, Ellen DeGeneres, R: Ron Howard, 123 Min.

Na bitte, es funktioniert auch anders. Man muss nicht immer Leute ohne ihr Wissen filmen, wie es mit Jim Carrey in "The Truman Show" passiert ist, um mit einer Doku-Soap Erfolg zu haben. Dass die Leute alles annehmen, solange es nur authentisch ist, zeigt dieser Streifen mit dem gleichnamigen Fernsehsender, den Produzentin Cynthia Topping (Ellen DeGeneres) kurzerhand ins Leben ruft, als die Quoten ihres bisherigen Kanals "True TV" sogar von denen des "Gärtnerkanals" getoppt werden. Die Idee hinter der ganzen Sache ist ganz einfach: man beobachtet eine ausgewählte, telegene Person rund um die Uhr mit der Kamera, so dass die Fernsehzuschauer per Liveübertragung an deren Leben teilhaben können. Die einzige Schwierigkeit dabei ist, wie man jemanden dazu bringt, sich 24 Stunden am Tag filmen zu lassen, und dabei völlig auf sein Privatleben zu verzichten. Aber auch darauf weiß der Film eine passende Antwort: man muss demjenigen nur Ruhm und genügend Geld anbieten und auf ein gewisses Quantum an Naivität treffen, und schon spielen die negativen Seiten der Geschichte keine Rolle mehr. Und so bekommt Ed Pekurny (Matthew McConaughy), in den Tag hinein lebender Videotheks-Angestellter, durch Zufall die Chance seines Lebens, weil ihn sein Bruder (wunderbar prollig: Woody Harrelson), der den Job eigentlich haben wollte, vor die Casting-Kamera zerrt. Aber natürlich erfährt er sehr schnell, dass die Sache durchaus einen Haken hat, beginnt er seinen ersten Tag unter Beobachtung doch noch schlaftrunken mit einem Griff an sein bestes Teil, was auch seine Eltern beschämt im Fernsehen miterleben dürfen. So setzt sich die Reihe der Ereignisse, die man lieber privat regelt, fort, vom Ausspannen der Freundin des eigenen Bruders über den Streit deswegen bis hin zum Auftauchen seines leiblichen Vaters, den er seit seiner frühen Kindheit nicht mehr gesehen hat. Zu guter letzt will die Öffentlichkeit per Zeitungsumfrage mit anschließend abgedruckten Beleidigungen seiner Freundin Shari (Jenna Elfman) auch noch bestimmen, welche Frau die Richtige für ihn ist. Spätestens dann merkt er, dass er einen Pakt mit dem Teufel geschlossen hat, der ein glückliches Leben nicht mehr zulässt. Mit diesem von Lowell Ganz und Babaloo Mandel verfassten, geradezu genialen Drehbuch war es für Regisseur Ron Howard eine dankbare Aufgabe, dessen Inszenierung zu übernehmen, der man dann auch den Spaß, den alle an der Umsetzung haben, deutlich anmerkt. So greift bei dieser lockeren Komödie ein Rädchen ins andere, und nicht zu letzt sorgen die Schauspieler, die ihre Rollen perfekt ausfüllen, für beste Kinounterhaltung, bei der auch die nachdenklicheren Momente nicht zu kurz kommen.
Wertung: 8 von 10 Punkten

(Miguel)