Das Geisterschloss

D: Liam Neeson, Catherine Zeta-Jones, Lili Taylor, Owen Wilson, R: Jan De Bont, 112 Min.

Jawohl, es ist mal wieder Zeit für so eine richtig schöne Oldschool-Gespenstergeschichte ganz ohne diesen neumodischen Schnickschnack mit psychotischen Massenmördern und was den modernen Drehbuchautoren des Horrorgenres sonst noch alles einfällt. Dafür bürgt schon die Tatsache, dass dem Film nicht etwa ein auf die Schnelle zusammen gezimmertes Skript sondern mit Shirley Jacksons "The Haunting of Hill House" ein klassischer Roman zu Grunde liegt, was dem Werk auch sichtlich gut bekommt, denn es setzt statt auf schockierende Splatterszenen viel mehr auf hintergründiges Grauen, das durch die erzeugte Stimmung hervorgerufen wird. Dies ist ja ohnehin die ganz große Stärke des Regisseurs Jan De Bont, der schon mit "Speed" bewiesen hat, wie gut er sich darauf versteht, Spannung zu erzeugen. Als Tatort muss dabei einmal mehr das klassische Schloss herhalten, in das der Wissenschaftler Dr. David Marrow (Liam Neeson) die illustre Gruppe von Probanden verfrachtet, die sich auf seinen Aufruf zu einer Studie über Schlafstörungen gemeldet haben. Doch obwohl Marrow anders als er ihnen sagt, vorhat, neue Fakten für sein geplantes Buch über Angstzustände bei Menschen zu sammeln, und deswegen auf Einiges gefasst ist, überrascht es auch ihn, dass in dem alten Haus plötzlich unheimliche Dinge passieren. Für die technische Umsetzung des Spuks hat De Bont Special Effects-Experten um sich geschart, die schon für Produktionen wie "Jurassic Park" oder "Twister" verantwortlich waren, und so prädestiniert dafür sind, das Schloss zum Leben zu erwecken. Denn außer von den kreierten Stimmungen, die einen in der Umgebung des Spukschlosses mit der extrovertierten, schönen Theo (Catherine Zeta-Jones), der stillen, unerfahrenen Nell (Lili Taylor) und dem abgeklärten Witzbold Luke (Owen Wilson) mitfühlen lassen, lebt der Film stark von der perfekten Tricktechnik, deren atemberaubende Effekte den Spuk zu keinem Zeitpunkt lächerlich erscheinen lassen. So wird man durch den Streifen, Dank der persönlichen Beziehung zu den verschiedenen im Schloss gefangenen Charakteren, die noch dazu durch die Schauspieler hervorragend herausgearbeitet werden, die gesamte Zeit über blendend unterhalten und bekommt obendrein die Gelegenheit, sich mit den Gründen für die außergewöhnlichen Geschehnisse auseinander zu setzen. Anders als in so manch anderem Gruselfilm hat das Buch hier nämlich Antworten auf die Fragen nach denselben parat, die zwar etwas weit her geholt erscheinen, dafür aber auch nicht so unbedingt auf den ersten Blick ersichtlich sind. "Das Geisterschloss" ist also der perfekte Zeitvertreib für dunkle, stürmische Herbstabende.
Wertung: 8 von 10 Punkten

(Miguel)