Der Gigant aus dem All

Zeichentrick, R: Brad Bird, 87 Min.

Amerika, 1957. In Rockwell, einer Kleinstadt im Bundestaat Maine, lebt die alleinerziehende Annie Hughes mit ihrem Sohn Hogarth am Waldesrand. Annie versucht ihr Bestes, den Spagat zwischen ihrem Job im örtlichen Restaurant und der Erziehung des lebhaften neunjährigen Jungen zu bewältigen, trotzdem bleibt Hogarth ab und an alleine. Dann beschäftigt er sich mit Fernsehen (wo er Horror oder Science-Fiction bevorzugt) und seiner Leidenschaft für Comics über Superhelden oder außerirdische Mutanten bzw. Angreifer. Plötzlich macht es im Dorf die Runde, dass ein Fischer einem ins Meer gestürzten Riesen aus Metall begegnet sei, was Hogarth natürlich aufhorchen lässt. Als er abends alleine vor dem Fernseher sitzt, da wird plötzlich der Empfang schlecht - kein Wunder, ist die Antenne auf dem Haus größtenteils verschwunden. War dies vielleicht der Metallriese? Woher kommt die Schneise im Wald, ist er dort lang gelaufen? Hogarth macht sich auf die Suche und entdeckt wirklich einen 15 Meter großen Giganten aus dem All, der metallhungrig beinahe Opfer des Elektrezitätswerkes wird, Hogarth kann dem in Stomkabeln verfangenen fremden Wesen allerdings durch Abschalten des Hauptstroms das Leben retten. Der Gigant zeigt sich dem anfangs verängstigten Jungen als friedfertiges Wesen, lernt sogar ein paar Worte Menschensprache, und er scheint Gefühle zu haben, gibt er sich doch auch traurig, fröhlich oder neugierig. Nach einem kleinen Unfall sieht Hogarth dann, wie der Roboter sich selbst reparieren kann, indem er alle abhanden gekommenen Körperteile durch Anpeilen wieder zu sich ruft und sie mit sich wieder vereint. Hogarth versteckt den Metallkoloss in der Scheune. Leider hat die Regierung auch von den Vorkommnissen in Rockwell gehört und schickt ihren Beamten Kent Mansley in die Stadt, um der Geschichte nachzugehen. Zwar kommt dieser Hogarth auf die Schliche, der Junge ist aber stets einen Schritt schneller und hat die rettende Idee, den metallfutternden Riesen auf dem Schrottplatz seines Freundes Dean zu verstecken, wo er gleich auch noch genug zu essen hat. Natürlich gibt Mansley nicht auf und läßt sogar die Armee anrücken, um den friedlichen Giganten (der bei Bedrohung auch in eine Kampfmaschine mutieren kann, wie sich zeigen soll) zu vernichten. Ein Fiasko für die ganze Stadt und die Menscheit, wie sich zeigen soll, denn eine atomare Katastrophe scheint durch Mansleys Verfolgungswahn plötzlich unabwendbar...
Die Geschichte von "Der Gigant aus dem All" beginnt mit dem Kinderbuch "The Iron Man" von Ted Hughes aus dem Jahre 1968 über einen riesiges Wesen aus dem Meer. Nach dem Erfolg der Rockoper "Tommy" hatte The Who-Mitglied Pete Townshend die Idee, einen weiteren Song-Zyklus zu veröffentlichen, und auf besagtem Buch basierend erschien 1989 dann das Album "The Iron Man", 1993 feierte man die Premiere der Bühnenumsetzung in London. Theaterproduzent und -regisseur Des McAnuff war davon überzeugt, daß der Stoff auch für das Kino geeignet sei. Ende 1996 befand sich das Projekt bei Warner Bros. in der Vorbereitungsphase, als jene mit Turner Feature Animation fusionierten, wo Brad Bird gerade an einem Projekt arbeitete. Beim Durchsehen der Entwürfe für Warner-Projekte entdeckte Brad die Zeichnung eines kleinen Jungen mit einem riesigen Roboter und war sofort angetan von der Idee. Das Buch kennend entwickelte Bird seine eigene, leicht abgewandelte, außerdem anders akzentuierte Version des Stoffs und bekam den Zuschlag. Realisiert wurde der Film dann unter der Gesamtleitung von Pete Townshend.
"Der Gigant aus dem All" ist ein gut gelungener Zeichentrickfilm, der sowohl Jung als auch Alt gefallen dürfte. Die Mischung aus ansprechender, ideenreicher, ja sogar hintergründiger Story und gutem, herzerfrischendem Humor überzeugt, wobei es schön ist, daß Kitsch und überzogener Herzschmerz ausbleiben, der Streifen also gängigen Zeichentrick-Klischees nicht genügt, zum Glück. Ein Film, der sowohl von der Gesamthandlung als auch von seinen Feinheiten lebt, ohne jemals langweilig oder anstrengend zu werden, und auch in puncto Animation gibt es nichts zu bemängeln. Im Vergleich zum ebenfalls am 16. Dezember startenden "Muppets aus dem All" schneidet der Gigant um Längen besser ab, hier sitzen die Pointen, hier hat man Spaß und Nachdenkliches gleichermaßen, hier wird man gut unterhalten.
Wertung: 8 von 10 Punkten

(Tobi)