The Green Mile

D: Tom Hanks, David Morse, Michael Clarke Duncan, James Cromwell, R: Frank Darabont, 182 Min.

Als im Seniorenheim ein alter Fred Astaire-Film im Fernsehen läuft, verlässt der alte Paul Edgecomb unter Tränen den Raum. Auf Nachfrage seiner Freundin Elaine erzählt er ihr von seiner lange zurück liegenden Vergangenheit als leitender Gefängniswärter im Todestrakt einer Strafanstalt.
1935 ist es, als Paul (Tom Hanks) zusammen mit seinen Kollegen Howell (David Morse), Stanton (Barry Pepper) und Terwilliger (Jeffre DeMunn) die vier Zellen zu bewachen hat, in denen die Kandidaten für den elektrischen Stuhl auf ihre Hinrichtung warten. Jeder der hier Untergebrachten wird früher oder später die aufgrund des grünlichen Linoleumbodens sogenannte "grüne Meile" gehen, den Flur zu seiner Exekution, den Weg in den Tod. Gestört wird das menschlich mit den Verurteilten umgehende Team vom jungen Wärter Percy Wetmore (Doug Hutchison), der die Gefangenen wie Dreck behandelt und sich nicht an Regeln hält. Leider ist Percy, wie Paul vom Gefängnisdirektor Hal Moores (James Cromwell) weiß, der Neffe des Gouverneurs, und er profiliert sich damit, jeden, der ihn angreift, durch einen Anruf beim Onkel entlassen zu können.
Als John Coffey (Michael Clarke Duncan) eingeliefert wird, trauen die Wächter ihren Augen kaum, steht doch ein Bär von einem Mann vor ihnen, ein riesiger, bulliger Schwarzer, verurteilt aufgrund des Mordes an zwei jungen Mädchen - Schwestern, die man tot in seinen Armen fand. Präsentieren tut sich John allerdings als freundlicher, netter, zurückhaltender Mann, der sogar Angst vor der Dunkelheit hat.
Nach einigen Tagen bekommt John mit, dass Chefwärter Paul unter starken Schmerzen leidet, und durch scheinbar wundersame Kräfte heilt er den völlig überraschten Paul, der seinen Augen (und seinem wieder genesenen Körper) kaum traut. Es entwickelt sich eine etwas engere, freundschaftlichere Bindung zwischen dem Wärter und dem zum Tode verurteilten Schwarzen, und Paul beginnt sich zu fragen, ob John wirklich des Mordes schuldig ist. Seine Nachforschungen bringen allerdings keine neuen Ergebnisse, so dass der Tag der Hinrichtung Johns näher rückt. Vorher allerdings wird Eduard "Del" Delacroix (Michael Jeter) zum elektrischen Stuhl geführt, ein kauziger, lustiger Mann, der sich mit einer Maus angefreundet und sie dressiert hat, was ihm Freunde bringt und ihn stolz macht - oder machte. Er stirbt qualvoll, da Percy absichtlich eine verlangsamende Schikane einsetzt, zum Schrecken aller Anwesenden. Paul und seine drei netten Kollegen bestehen darauf, dass Percy sich sofort versetzen lässt.
Um die "Mr. Jingles" gerufene Maus, die nach einem Mordanschlag von Percy auch nur dank einer Wunderheilung durch John noch am Leben ist, soll sich laut Dels Wunsch nun Paul kümmern, allerdings scheint der Nager verschwunden. Weitere Probleme im Trakt bereitet der erst frisch eingelieferte, aufsässige Unruhestifter "Wild Bill" Wharton (Sam Rockwell), und privat leidet Paul mit seinem Direktor Hal, dessen Frau in Kürze einem unheilbaren Krebsleiden erliegen wird. Paul kommt die Idee, dass John vielleicht der kranken Frau durch seine wundersamen Heilungskräfte helfen könnte...
"The Green Mile" basiert auf einem sechsteiligen Fortsetzungs-Roman von Stephen King, der 1996 erschien. Für Regisseur Frank Darabont ist es nach seinem fünf Jahre zurückliegenden Kino-Debüt "Die Verurteilten" bereits die zweite Adaption eines Stephen King-Gefängnis-Stoffes. Der drei Stunden lange Film weiß zu überzeugen, ob es nun die Schauspieler sind oder die Handlung, die man vielleicht auch etwas kürzer hätte inszenieren können, jedoch wird der Streifen niemals langweilig, auch wenn man nicht ständig spannende Sequenzen sieht. Die Story wirkt einfach geschlossen und die Atmosphäre im Todestrakt wird gut zum Zuschauer transportiert. Im sadistischen Percy hat man sein Feindbild, in den vier befreundeten Wärtern Sympathieträger, in "Wild Bill" den durchgeknallten Todeskandidaten, in John den freundlichen Wundermann, dem man einen Mord kaum zutrauen mag, und in "Mr. Jingle" auch noch ein niedliches, prima in die Geschichte eingebautes Tierchen. Sehr gute Kinounterhaltung, und die wohl beste Verfilmung eines Stephen King-Romans seit "Misery".
Wertung: 9 von 10 Punkten

(Tobi)