Ich weiß noch immer, was du letzten Sommer getan hast

D: Jennifer Love Hewitt, Brandy, Mekhi Phifer, Matthew Settle, R: Danny Cannon, 96 Min.

Mann, wenn man sich dieses Beispiel zu Herzen nehmen würde, dann dürfte man an keinem Preisausschreiben mehr teilnehmen oder würde zumindest jedem Gewinn erstmal mißtrauisch gegenüberstehen, lautet doch die wesentliche Botschaft wenigstens der ersten Hälfte des Films: "Der Anschiß lauert überall!". Somit hat der Streifen seinen aufklärerischen Auftrag schon mal erfüllt, denn jedem blauäugigen Gewinnspielteilnehmer wird bestimmt die Illusion des perfekten Traumgewinns genommen. Die Studentin Karla (Brandy) gewinnt nämlich im Radio eine Reise für vier Personen auf die Bahamas, und da ihre Freundin Julie (Jennifer Love Hewitt) aufgrund von Alpträumen, die sie seit dem Amoklauf eines Killers vor einem Jahr, dem sie nur knapp entronnen ist, verfolgen, sowieso dringend erholungsbedürftig ist, nimmt sie sie samt männlicher Begleitung für beide natürlich mit. Daß sie ihren Urlaub allerdings am letzten Tag der Saison antreten müssen, nach dem alle Touristen fluchtartig die Insel verlassen, weil die Region dann mit schöner Regelmäßigkeit von Unwettern heimgesucht wird, erfahren sie erst, als sie dort angekommen sind. So müssen sich die Vier also ganz alleine vergnügen, was sie auch gleich versuchen, indem sie in der Hotelbar eine Karaoke-Session einlegen. Dabei kommt es gleich zum Highlight des Films, einer großartigen Szene, in der zum einen auffällt, daß Jennifer Love Hewitt beachtliches Gesangstalent besitzt, zum anderen aber die Idee, bei ihrer Interpretation von "I will survive" auf dem Bildschirm als Text statt des Refrains "Ich weiß noch immer, was du letzten Sommer getan hast" erscheinen zu lassen, begeistert. Nachdem dann sowohl Fährverkehr als auch Telefonleitung dem tatsächlich aufgezogenen Sturm zum Opfer gefallen sind, und der ganz in Ölzeug gekleidete, wild seinen Haken schwingende Killer aus dem ersten Teil auf der Insel aufgetaucht ist, ist der Weg frei für den typischen Horrorfilm-Plot, an den wir uns nun schon langsam gewöhnt haben. Dennoch hat dieser Film außer leichtbekleidet umherirrenden Twens und widerlich dahingemetzelten unschuldigen Leuten herauszuheben ist hier der geradezu virtuose Einsatz des Hakens am Arm, mit dem man die Opfer auch wunderbar durch die Gegend wirbeln kann durchaus mehr zu bieten, denn Danny Cannon versteht es unterstützt von Jennifer Love Hewitt, immer wieder Spannung zu erzeugen, ohne mit Effekten zu übertreiben. Der nimmt man nämlich die psychisch labile Julie jederzeit ab und leidet praktisch von der ersten Minute an mit, weil ihre Wahnvorstellungen mit der Realität verschmelzen und dadurch ihre Paranoia überaus nachempfindbar wird. Diese Psycho-Kiste ist der eigentliche Antrieb des Films, auch wenn Julies Alpträume immer mehr zur Wirklichkeit werden, und somit das altbewährte Killer-Flucht-Schema aktiviert wird. Bleibt nur die Hoffnung, daß unsere vier wackeren Helden diesmal abwechslungsweise dran glauben müssen, wär' doch mal was Anderes.
Wertung: 6 von 10 Punkten

(Miguel)