Jakob der Lügner

D: Robin Williams, Alan Arkin, Armin Müller-Stahl, R: Peter Kassovitz, 120 Min.

Nazi-Zeit, 1944, ein Judenghetto in Polen. Der ehemalige Cafebesitzer und Kartoffelpufferbäcker Jakob (Robin Williams) wird ins Nazi-Quartier beordert, da er angeblich die Ausgangssperre nicht eingehalten haben soll. Dort hört er - kurz alleine im Zimmer - im Radio die Meldung, daß die russischen Truppen nur noch 400 km entfernt sind, eine hoffnungsvolle Meldung. Auf dem heimlichen Weg zurück ins bereits abgesperrte Ghetto lernt er die kleine Lina (Hannah Taylor-Gordon) kennen, die von ihren Eltern aus einem Zug geschmuggelt wurde, da sie wußten, daß ihnen der Tod bevorsteht. Jakob, dessen Ehefrau erschossen wurde, nimmt Lina bei sich auf und versteckt sie auf seinem Dachboden. Dem ehemaligen Boxer Mischa (Liev Schreiber) erzählt er von den Erfolgen der sowjetischen Armee, mit der Bitte um Geheimhaltung, und ohne ihm zu sagen, wo er die Meldung gehört hat. Mischa ist sich nicht nur sicher, daß Jakob entgegen aller Verbote ein Radio besitzt, sonder auch noch eine Plaudertasche par excellence, so daß am nächsten Tag das ganze Ghetto zu wissen glaubt, daß Jakob Radiobesitzer ist. Natürlich wollen nun alle von ihm wissen, ob die Rettung näher rückt, und als Jakob merkt, daß er den Menschen durch erfundene Meldungen über eine immer erfolgreichere Sowjetarmee viel Hoffnung geben kann, entschließt er sich, Lügen zu verbreiten, woraufhin die Selbstmordrate im Ghetto gegen Null geht. Lediglich der berühmte Arzt Dr. Kirschbaum (Armin Müller-Stahl) durchschaut Jakobs Geschichten, redet ihm aber zu, damit fortzufahren, da die Hoffnung neue Kräfte freizuschaufeln scheint. Was aber passiert, wenn die Nazis mitbekommen, daß es ein Radio im Ghetto geben soll? Spitzel sind nämlich überall...
"Jakob der Lügner" ist ein sehr einfühlsamer Film über die Leiden der Juden in der Nazizeit. Ob sie täglich für die Deutschen ackern und Zementsäcke schleppen müssen, ob sie abends nicht mehr auf die Straßen dürfen, ob sie täglich Angst haben müssen, zur Todesfahrt in einen Zug verladen zu werden - die grausamen Umstände werden bedrückend, ja deprimierend wiedergegeben. Dann kommt Jakob, der mit einer realen Meldung merkt, wieviel Hoffnung man machen kann und was diese bewirkt, und sich dann entschließt, den Menschen mehr Hoffnung zu geben, nie wissend, ob wirklich Rettung naht oder nicht, nie Angst habend, aufgrund des imaginären Radiobesitzes von den Nazis umgebracht zu werden. Nebenbei kümmert er sich noch rührend um die kleine Lina. All dies wird in hervorragender Weise wiedergegeben, mal bedrückend, mal aber auch mit humoristischen Stellen, die aber nie erzwungen wirken. Ein Film, der sehr gut geworden ist und bei dem es sowohl schauspielerisch als auch inhaltlich nichts zu meckern gibt.
Wertung: 9 von 10 Punkten

(Tobi)