Rendevous mit Joe Black

D: Brad Pitt, Claire Forlani, Anthony Hopkins, R: Martin Brest, 178 Min.

So sieht es also aus, wenn einen der Tod ereilt. Er kommt in Menschengestalt und geleitet einen ins Jenseits, und wenn es immer so taktvoll zugeht wie im Fall des Konzernchefs William Parrish (Anthony Hopkins), der kurz vor seinem 65. Geburtstag ableben soll, kann man sich das durchaus gefallen lassen, ob man nun schon abtreten will oder nicht. Dazu ist dieser nämlich gar nicht bereit, denn sein Leben macht ihm dazu noch viel zuviel Spaß. Daß der Tod auch noch etwas anderes im Schilde führt, kommt ihm so ganz gelegen, gibt ihm das doch die Möglichkeit, sein Leben noch ein wenig länger genießen zu können. Allerdings muß er dabei den Tod, der sich des Körpers eines vor kurzem verstorbenen jungen Mannes (Brad Pitt) bemächtigt hat nebenbei bemerkt eine der gelungensten Verkehrsunfall-Sequenzen, die das Kino je gesehen hat und so das Leben kennenlernen will, als seinen ständigen Begleiter akzeptieren und darf dessen wirkliche Identität niemandem preisgeben. Diese Konstellation sorgt sowohl beim Essen im engsten Familienkreis als auch in einer Vorstandssitzung von Parrishs Firma für Belustigung, denn der coole Tod stürzt Parrish mit seiner naiven und tapsigen Art, die Brad Pitt überaus charmant rüberbringt, von einer Verlegenheit in die nächste. Somit wandelt der Tod also als Joe Black auf Erden und entdeckt die kleinen Dinge, die das Leben so lebenswert machen das Löffeln von Erdnußbutter und natürlich die Liebe. Dabei konnte er doch gar nicht wissen, daß sich Parrishs hübsche Tochter Susan (Claire Forlani), die auf der Suche nach der wahren Liebe ist, und der Mann, in dessen Körper er jetzt steckt, kurz vor dessen Tod begegnet sind, und sie bei einem heftigen Flirt sofort ihr Herz an ihn verloren hat. Damit ist das Feld bereitet für einen romantischen Liebesfilm, bei dem man mal wieder ganz seinen Gefühlen freien Lauf lassen kann, denn mit seinen beiden bezaubernden Hauptdarstellern Forlani und Pitt, die in jeder Situation im wahrsten Sinne des Wortes eine gute Figur machen, gelingt es Martin Brest, die knisternde Atmosphäre einer jungen Liebe voller Leidenschaft zu erzeugen, die einen ganz in ihren Bann zieht, wenn sie auch manchmal ins Kitschige abzugleiten droht. Aber ganz so einfach kann es für die beiden dann doch nicht gehen. Welcher fürsorgliche Vater würde denn schon eine Beziehung seiner Tochter mit dem Tod gutheißen, mögen sie auch noch so gut zusammenpassen und seine Tochter noch so verliebt in ihn sein? Und obwohl die Liebesgeschichte für einen abendfüllenden Film schon ausgereicht hätte, wird die Handlung noch um den dramatischen Aspekt erweitert, daß Parrishs enger Vertrauter und bis zum Auftauchen von Joe Black potentieller Schwiegersohn gegen ihn intrigiert und Parrishs Lebenswerk, den Medienkonzern, den er aufgebaut hat, meistbietend zu seinen Gunsten verhökern will. Dies schadet dem Streifen aber nicht weiter sondern bringt sogar etwas Abwechslung in die Geschichte, dringt man so doch Dank Anthony Hopkins auch in Parrishs Gedankenwelt weiter vor, zumal sein Berufs- und Privatleben durch das Familiengeflecht eng miteinander verknüpft sind, so daß kein Bruch entsteht. So nimmt man drei Stunden lang am Leben der Parrishs teil, in das plötzlich der Tod getreten ist, um für eine Berg- und Talfahrt der Gefühle zu sorgen, und fühlt sich dabei blendend unterhalten, bleibt aber auf der Frage sitzen, warum einer, der so alt ist wie der Tod, auf die Idee, das Leben einmal auszuprobieren, noch nicht schon viel früher gekommen ist.
Wertung: 7 von 10 Punkten

(Miguel)