Payback

D: Mel Gibson, Gregg Henry, Maria Bello, R: Brian Helgeland, 103 Min.

Was fällt einem dazu noch ein: dem Ganoven Porter (Mel Gibson) ist wirklich nichts heilig. Erst klaut er einem Bettler die Tageseinnahmen aus dem Hut, die er sofort in ein ordentliches Frühstück investiert, und dann der Barfrau noch nicht einmal zehn Cent Wechselgeld gönnt, ja sogar noch ihre Zigaretten mitgehen läßt, und dann erleichtert er auch noch einen Passanten um seine Brieftasche, um sich erstmal neu einzukleiden und anschließend noch schick essen zu gehen. Dort erfährt er aber, daß die Kreditkarte inzwischen gesperrt wurde, und muß so leider gehen ohne zu zahlen. Schon der Anfang ist so erfrischend subversiv, daß man sofort Lust auf mehr bekommt, und darauf braucht man auch nicht lange zu warten. Um aus einem Dealer den Aufenthaltsort seines Chefs herauszuquetschen, reißt er ihm kurzerhand den Nasenring raus, was den gleich viel gesprächiger macht, und der unkooperative, massige Pförtner, der ihn dort zunächst abweisen will, geleitet ihn in der nächsten Einstellung mit blutendem Ohr brav zu seinem Boss. Aber ganz so kann man das ja nicht stehenlassen, denn so ein brutales Arschloch taugt doch nicht zum Helden eines Films, also muß ihn irgendwas zu dieser Kompromißlosigkeit getrieben haben. Nachdem er mit seinem alten Partner Val Resnick (Gregg Henry) die Asiaten-Mafia um 140.000 $ beraubt hat, haut der mit dem Geld und Porters Frau ab, die ihm eine Kugel in den Rücken verpaßt. Aber so schnell ist er nicht kleinzukriegen und startet frisch operiert seinen Rachefeldzug bei oben erwähntem Bettler, obwohl er sich dabei mit einem ganzen Verbrechersyndikat samt dessen oberstem Boss Bronson netter Seitenhieb auf die personifizierte Selbstjustiz Charles Bronson anlegen muß, in das sich Val mit seinem Geld eingekauft hat. Und was er nicht alles auf sich nimmt, um seine 70.000 $ zurückzukriegen, aber Gerechtigkeit muß sein, koste es was es wolle. So nimmt der Film zeitweise fast parodistische Züge an, betrachtet man die Art und Weise, wie sich Porter alleine einer ganzen Schar von Gangstern entledigt, wobei er sich über die Verhältismäßigkeit seiner größenwahnsinnigen Aktion zu keiner Zeit Gedanken zu machen scheint, und Mel Gibson nie seinen wunderbaren coolen Hundeblick verliert. Doch die Spannung und das Wahnsinnstempo allein bürgen schon für einen erstklassigen Actionfilm, ganz zu schweigen vom Realismus der Szenen, wenn auch die Gewaltexzesse nicht jedermanns Sache sein könnten. Aber kein Film ist komplett ohne seine Liebesgeschichte, also trifft Porter bei der Jagd nach seinem Geld auf seine frühere Liebe, die Hure Rosie (liebreizend: Maria Bello), die er leider in die Geschichte mithineinziehen muß und die ihm von da an zur Seite steht. Zusammen kommen sie relativ schnell zu der Erkenntnis: "Sie werden uns töten. Es sei denn, wir töten sie zuerst.". Und so arbeitet sich Porter ohne Rücksicht auf Verluste Sprosse für Sprosse die Leiter der Unterwelt hoch, bis er sie beide in eine schier ausweglose Situation gebracht hat, aber sind ausweglose Situationen nicht dazu da mit Auswegen versehen zu werden? Was sind schon Superman oder Batman, hier kommt Porter, der zwar nicht ganz so saubere aber wahre Superheld.
Wertung: 8 von 10 Punkten

(Miguel)