Place Vendome

D: Cathérine Deneuve, Emmanuelle Seigner, Jacques Dutronc, R: R: Nicole Garcia, 117 Min.

Marianne ist Ehefrau und sonst nichts. Ihr Mann, der Juwelier Vincent Malivert (Bernard Fresson) sorgt für sie und ermöglicht ihr außerdem den Aufenthalt in einer Therapieeinrichtung, in der die ganze Leere ihres Lebens voll zur Geltung kommt. Und wer könnte wohl die Figur der alkoholsüchtigen, im Berufsleben gescheiterten aber dennoch würdevollen Marianne besser verkörpern als Cathérine Deneuve? In ihrem immer noch bezaubernd schönen Gesicht spiegeln sich die Erfahrungen eines ereignisreichen Lebens wider und verleihen ihr damit eine fast mystische, erhabene Ausstrahlung. Dieser abgeklärten Erhabenheit kann es auch nichts ausmachen, daß Marianne in der Klinik dahinvegetiert, die sie eigentlich nur verläßt, um mit ihrem Mann gesellschaftlichen Verpflichtungen nachzukommen, und ein einsames Besäufnis im Restaurant wirkt keinesfalls abstoßend, sondern ruft allenfalls Mitleid hervor. Ob das etwa alles sein soll, was das Leben für sie noch zu bieten hat, fragt man sich, und wie es mit ihr nur so weit kommen konnte, aber auf Antworten wartet man zunächst vergeblich. Doch dann krempelt ein Ereignis alles um, wirkt wie ein Weckruf, der sie aus ihrer Lethargie erwachen läßt. Vincent bringt sich auf einer Geschäftsreise mit seinem Auto um, denn er sieht keinen Ausweg mehr aus einer Situation, die er selbst geschaffen hat, indem er gestohlene Edelsteine angenommen hat, um die Finanzen seines Geschäfts aufzubessern, und somit seinen Ruf vollkommen ruiniert hat. Marianne, früher selber im Diamantengeschäft sehr erfolgreich, soll nun in den Verkauf des Juweliergeschäfts einwilligen, findet aber in einem Versteck ihres Mannes wundervolle Diamanten und beschließt, ihrem Leben wieder einen Sinn zu geben, indem sie den Verkauf verweigert und wieder in das Geschäft einsteigt. Beim Verkauf der Steine sollen ihr ihre alten Kontakte helfen, doch je mehr sie sich bemüht, Käufer für die "heißen" Diamanten zu finden, desto mehr gerät sie zwischen die Fronten von mächtigen Diamantenkartellen. Dabei fasziniert am meisten, wie unterschwellig, ja fast unbemerkt hier Spannung aufgebaut wird, denn konzentriert man sich zunächst auf die Entwicklung Mariannes und nimmt die Verwicklungen ihres Mannes in dubiose Geschäfte nur am Rande wahr, befindet man sich urplötzlich mitten im erbitterten Kampf um die Diamanten, in den immer mehr Leute einzugreifen scheinen. So werden nach und nach weitere Verbindungen aufgedeckt, die zunächst unbeteiligte Personen wie Vincents junge Mitarbeiterin Nathalie (Emmanuelle Seigner) zu Hauptakteuren in diesem Spiel werden lassen. Die ist nämlich als Spionin und Kurier für Mariannes ehemaligen Lebensgefährten Battistelli (Jacques Dutronc) tätig, der seinerseits alles daran setzt, die Steine in seinen Besitz zu bringen. Dadurch wird Marianne von ihrer Vergangenheit eingeholt, spielte sie doch vor zwanzig Jahren die gleiche Rolle für ihn und wurde bitter enttäuscht. Der Film besticht durch seinen spannenden Plot im originellen, weil außergewöhnlichen Diamanten-Business und wird dabei von der großartigen Cathérine Deneuve getragen, die einen an ihm erst richtig teilhaben läßt, einen an die Hand nimmt und durch die Handlung geleitet und einen erst am Ende wieder losläßt.
Wertung: 7 von 10 Punkten

(Miguel)