Kai Rabe gegen die Vatikankiller

D: Steffen Wink, Sandra Speichert, Klaus J. Behrendt, Heinz Hoenig, R: Thomas Jahn, 95 Min.

Bei manchen Filmen sorgt schon der Titel für negative Voreingenommenheit. So auch in diesem Fall, assoziiert man damit doch Trash-Krimi vom Feinsten la Edgar Wallace. Und irgendwie hat der Streifen auch was davon, denn man fühlt sich anfangs stark an vergangene Zeiten erinnert, ob es nun an den nicht gerade modischen Klamotten oder an den alten Autos liegt, sei mal dahingestellt. Doch dieser Film hat einiges mehr zu bieten als eine abgegriffene Kriminalgeschichte, thematisiert Regisseur Thomas Jahn hier doch das Miteinander am Filmset und präsentiert einem somit den Film im Film. Dabei gestattet er dem Zuschauer einen Blick hinter die Kulissen der Filmindustrie, deren Darstellung zwar manchmal arg übertrieben ausgefallen sein mag, an der aber bestimmt einiges wahr sein wird. Die Story wird um eine Mordserie aufgebaut, die die Dreharbeiten zum neuen Film von Superstar Kai Rabe (Steffen Wink) behindert, denn die ersten Opfer sind Schauspieler aus dem Team, und die Ermittlungen von Kommissar Krüger (Klaus J. Behrendt) führen natürlich unweigerlich zum Drehort. Und da setzt dann für Produzent Egon Lütter (Heinz Hoenig) die eigentliche Problematik der Situation ein, weil Kai Rabe schon von sich aus einen äußerst labilen Charakter besitzt Zitat: "Ich kann so nicht arbeiten. Schaff' doch mal das ganze Kruppzeug (das Drehteam, Anm. d. Autors) hier raus!" und so ein Abbruch der Dreharbeiten droht. Das allerdings würde für alle Beteiligten, wenn auch aus unterschiedlichen Gründen, einer Katastrophe gleichkommen, woran man wunderbar sieht, wie jeder egoistisch auf das gemeinsame Ziel Fertigstellung des Films hinarbeitet und versucht die tickende Zeitbombe Kai Rabe, an der die ganze Produktion hängt, zu entschärfen. Der aufstrebende Regisseur Rufus Lindner (Stefan Jürgens), weil er unbedingt sein großartiges Projekt verwirklichen will, die weibliche Hauptdarstellerin Maria Rall (Sandra Speichert), weil sie durch den Film ebenfalls zum Star aufsteigen will, Lütter, weil mit dem Ausfall direkt ein enormer finanzieller Verlust verbunden wäre und Rabes Managerin (herrlich abgezockt: Hannelore Elsner), weil sie auf den Marktwert ihres Schützlings bedacht ist, und dabei scheinen die Toten außer Kai Rabe niemand richtig zu kümmern. Der aber heuert zu seinem Schutz gleich zwei israelische Leibwächter (Mirco Nontschew, Ercan Durmaz) an, deren Pistolen überaus locker sitzen und deren Auftritte als running gag des Films herhalten müssen, was einen sofort an die beiden Ganoven aus "Knockin' on Heaven's Door" erinnert, an die dieses Duo jedoch nicht heranreicht. Wie generell die Verwandtschaft zu Thomas Jahns Erstlingswerk unverkennbar ist, was aber nicht unbedingt als Nachteil anzusehen ist, bleibt Jahn doch seinem wunderbaren schwarzen Humor treu und siedelt seinen neuen Film in einem völlig anderen Metier an. Dazu erscheinen seine Figuren lebendig und gut ausgearbeitet, wobei die Vorstellungen von Steffen Wink als labiler, allürenbehafteter Megastar und von Heinz Hoenig als durchtriebener, großkotziger Produzent besondere Freude bereiten. Somit ist ihm zwar kein spannender Kriminalfilm aber Dank großartiger schauspielerischer Leistungen und eines guten Drehbuchs plus netter Einfälle eine kurzweilige Parodie gelungen, wenngleich die Lösung des Mordfalles doch ein wenig billig geraten ist.
Wertung: 7 von 10 Punkten

(Miguel)