Reine Nervensache

D: Robert De Niro, Billy Crystal, Lisa Kudrow, Joe Viterelli, R: Harold Ramis, 103 Min.

Mann, sind die cool die Mafiosi. Was aber, wenn ein Mafiaboss aufgrund seines Stresses das Nervenflattern kriegt, und gar nicht mehr cool wirkt? Ganz klar, dann muß was unternommen werden, was macht denn das für einen Eindruck auf seine Geschäftspartner oder gar Feinde, für die er ja eigentlich einschüchternd und unantastbar erscheinen soll. So ergeht es nämlich dem einflußreichen Paul Vitti (Robert De Niro) vor einem wichtigen Treffen aller Mafiabosse, bei dem es um die Zuteilung bestimmter Territorien gehen soll, und sich natürlich keiner über den Tisch ziehen lassen will. Also sucht er kurzerhand den Psychiater Ben Sobel (Billy Crystal) auf, von dem er sich die schnelle Hilfe verspricht. Was folgt, ist eine Beziehung der beiden zueinander, die mit jedem Gespräch intensiver wird, obwohl sich Ben so gut es geht dagegen wehrt, kennt er Vitti und seine Machenschaften doch aus den Medien und will mit dem Mafia-Milieu so wenig wie möglich zu tun haben, zumal seine Hochzeit kurz bevorsteht, und seine Frau vom eher hysterischen Typ ist. Zu sehen, wie sich De Niro und Crystal, die zwei Charaktere verkörpern, die unterschiedlicher nicht sein könnten, die Bälle zuspielen, bereitet allein schon so viel Vergnügen, daß die übrige Handlung, die sich allerdings auch sehen lassen kann, fast nebensächlich ist. Wobei besonders Robert De Niro mit seiner Darstellung des Paul Vitti, der trotz seiner Macht durch seine Probleme auf Ben angewiesen ist, eine beeindruckende Leistung abliefert. Wie Vitti im Gespräch mit Ben trotz aller gespielten Coolness und demonstrierten Überlegenheit immer wieder schonungslos seine menschlichen Schwächen offenbart, sei es durch plötzliche Weinkrämpfe oder unkontrollierte Wutausbrüche, sorgt nicht nur für Belustigung, sondern gibt dem Film gleichzeitig die nötige Tiefe. Vittis Probleme führen sogar soweit, daß er Ben bis nach Florida in den Urlaub folgt, wo dieser seine Hochzeit feiern will. Das geht diesem allerdings ein wenig zu weit, und er weigert sich kurzentschlossen Vitti weiterzubehandeln, was ihm aber sofort ein Bad in einem Haifischbecken einbringt, das ihn dazu bringt, seine Entscheidung noch einmal zu revidieren und etwas später doch glatt zu seiner Aufnahme in gehobene Mafiakreise führt. Diese und noch mehr nette Geschichten hat diese von Harold Ramis so kurzweilig inszenierte Komödie zu bieten, daß man sich keinen Moment langweilt, denn man kann sich ununterbrochen über Kleinigkeiten freuen, die von den Darstellern natürlich auch entsprechend umgesetzt werden, so daß einem der Film auch noch Spaß macht, wenn man das Kino schon längst verlassen hat.
Wertung: 9 von 10 Punkten

(Miguel)