Ronin

D: Robert De Niro, Jean Reno, Natascha McElhone, Stellan Skarsgard, R: John Frankenheimer, 118 Min.

Es ist ein Film der Geheimnisse. Sechs geheimnisvolle Typen treffen sich an einem geheimnisvollen Ort, um eine geheimnisvolle Aktion durchzuziehen. Aber da Geheimnisse nun mal neugierig machen, funktioniert die Basis des Films ganz gut und macht Appetit auf die Auflösung zumindest einiger von ihnen. Doch jetzt mal präzise: die Irin Deirdre (Natascha McElhone) rekrutiert in Paris fünf Männer, die sich noch nie zuvor gesehen haben, um aus ihnen ein Team zu bilden, das einen bestimmten Auftrag erledigen soll. Jeder von ihnen verfügt über eine Fähigkeit, die ihn für den Einsatz so wertvoll macht und auf die sich die anderen verlassen müssen. Dabei weiß keiner, woher die anderen kommen und, außer daß sie wegen ihrer Kenntnisse eine militärische oder geheimdienstliche Ausbildung genossen haben müssen, was sie vorher getan haben oder wer ihr Auftraggeber ist. Ihr einziger Antrieb ist das Geld, das sie mit diesem Job verdienen können. Sie sind vergleichbar mit den Ronin der japanischen Legende, ehemalige Samurai, welche ihren Herren verloren hatten, die nunmehr auf sich allein gestellt als Söldner oder Banditen das Land durchstreiften. Ihr Auftrag: sie sollen einen Koffer, deren Inhalt sie nicht kennen, an sich bringen und ihrem Boss übergeben. Dieser Koffer befindet sich allerdings im Besitz eines Händlers und wird strengstens bewacht, was den Einsatz eines Expertenteams, wie sie es sind, notwendig macht. Dabei bezieht Regisseur John Frankenheimer den Zuschauer geschickt in die Ausführung des Plans mit ein, indem er ihn als Begleiter des amerikanischen Waffen- und Strategieexperten Sam (Robert De Niro) in die Handlung einführt und ihm nicht mehr Informationen zukommen läßt als den fünf Männern. Somit beteiligt man sich an deren Spekulationen über den Inhalt des Koffers, ihren Auftraggeber und ihre Mitstreiter und versucht wie sie, die Gefahren des Unternehmens abzuschätzen. So ganz nebenbei freundet man sich mit Sam an und teilt seine Ängste und Sorgen und auch seine Abneigungen und Sympathien, was größtenteils am einfühlsamen Spiel Robert De Niros liegt, und wodurch natürlich die Beziehung zur ganzen Geschichte intensiviert wird. Darüberhinaus gelingt es Frankenheimer überaus gut, Spannungsmomente zu erzeugen, sei es bei der Abwicklung eines Waffendeals am verlassenen Seineufer bei Nacht, bei der das Unheil förmlich in der Luft liegt, oder bei einer der rasanten Autojagden, deren Ausgang zu keiner Zeit absehbar erscheint. Überhaupt stellen die Verfolgungsszenen alles in den Schatten, denn gegen das, was da an atemberaubenden Autostuntsequenzen, die erfreulicherweise ganz ohne Computertricks auskommen, inklusive Verfolgungsjagden durch die winkeligen Straßen von Nizza und als Geisterfahrer auf der Autobahn geboten wird, wirken die Jagden der legendären "Blues Brothers" wie Spazierfahrten am Wochenende. Leider kann die Handlung da nicht ganz mithalten, obwohl sie so manch ungeahnte Wendung parat hat und witzigerweise offenläßt, was sich im Koffer befindet, doch irgendwann hat man das ganze Hickhack um den Koffer satt und versteht nicht, warum die Leute sich nicht einfach einen neuen Job suchen, da helfen auch die Verweise auf Berufsehre oder japanische Legenden wenig. Dafür bekommt man allerdings noch eine herrliche Szene geboten, in der sich Sam, von einer Kugel im Bauchbereich getroffen, diese ohne Betäubung mit Hilfe eines Spiegels selbst operativ entfernt, das sind doch noch ganze Kerle, die Herren Gangster!
Wertung: 7 von 10 Punkten

(Miguel)