Die Seekönigin

D: Max Urlacher, Jitka Schneider, Sunnyi Melles, R: Vaclav Vorlicek, 86 Min.

Nach Motiven aus "Schwanensee" entstand mit "Die Seekönigin" ein deutsch-tschechischer Märchenfilm, und dass die Tschechen im Metier Kinderunterhaltung schon großartige Produkte abgeliefert haben, das weiß bestimmt jeder noch aus seiner Jugendzeit, sofern sie denn schon hinter ihm liegt. Zu gerne erinnere ich mich an Serien wie "Die Märchenbraut", "Pan Tau" oder "Luzie, der Schrecken der Straße", um nur einige brilliante Werke zu nennen.
In einem Unterwasserschloss hält die böse Seekönigin (Ivana Chylkova) nicht nur eine große Schar verschleppter Kinder zum täglichen Perlensammeln gefangen, sondern auch alle Prinzessinnen der weiten Umgebung, die sie in Schwäne verwandelt und ihnen die Sprache nimmt. Ihr Ziel ist es hierbei, den Erben des größten aller Königreiche, Prinz Viktor (Max Urlacher), zur Heirat zu bewegen, schließlich ist die Konkurrenz unfein aus dem Weg geräumt.
Als Victor und sein Diener Stefan (Jan Hrusinsky) auf der Jagd kein Glück haben, da schießt letzterer einen vorbeifliegenden Schwan an, um eine für den Fall, dass überhaupt noch etwas erlegt wird, versprochene Goldmünze zu erhalten. Anstatt des Schwans liegt allerdings plötzlich ein hübsches und nun verletztes Mädel (Jitka Schneider) vor den beiden, das sie mit ins Schloss nehmen. Viktor verliebt sich sofort in die scheinbar stumme Fremde und möchte lieber sie anstatt der Seekönigin, zu der ihn sein Vater schicken will, zur Frau nehmen. Plötzlich allerdings ist die junge Frau wieder verschwunden, und nur eine Schwanenfeder und ein gefrusteter Viktor bleiben zurück.
So brechen dann Prinz Viktor und Stefan auf Befehl des Königs doch zur Seekönigin auf. Unterwegs erwirbt der Adelsspössling ein Zauberwasser, mit dessen Hilfe er im Traum die Angebetete wiedertrifft. Diese erzählt ihm, dass sie Odette heißt und zusammen mit den anderen Prinzessinnen im Schloss der Seekönigin gefangen gehalten wird. Natürlich fasst Viktor den Plan, sie zu befreien, und so tauscht er bei der Ankunft am Schwanensee mit Stefan die Rollen, macht sich zum Diener. Hilfe finden beide noch in der Frau des Wassermanns, die ihren Gatten, von der Seekönigin zur Muschel gemacht, sucht und sich in einen Karpfen verwandeln kann. Alles scheint nach Plan zu laufen, als die Seekönigin und ihr engster Vertrauter Rotbart dem Ganzen auf die Schliche kommen...
Die Seekönigin ist ein nettes Märchen, das allerdings etwas dahinplätschert, ohne wirklich spannend zu werden - wobei dies auf Kinder anders wirken mag. Man vermisst etwas den Ideenreichtum und Witz anderer bekannter Kinderproduktionen, wie z.B. der oben angesprochenen, die auch Erwachsenen viel Spaß bereiten. Prinz Viktor ist optisch mehr so der Wunschschwiegersohn, etwas zu glatt vielleicht, und seine gesprochenen Sätze erinnern in Aussagekraft und Betonung eher an unteres Seifenopern-Niveau, was man den anderen Figuren nicht nachsagen kann. Ein Film, den man sehen und seinen Kindern gönnen kann, der Erwachsene aber wohl nicht vom Hocker reißt, was Kinderfilme ja durchaus können, wie z.B. der Zeichentrickfilm "Der Gigant aus dem All" beweist, der eine Woche später startet.
Wertung: 5 von 10 Punkten

(Tobi)

Pünktlich zur Adventszeit, während der es ja überall in den Wohnzimmern besinnlicher zugeht als sonst, kommt hier ein Märchenfilm in die Kinos, an dem Kinder bestimmt ihre Freude haben werden. Also warum nicht die langen Winterabende nutzen und den Nachwuchs mal wieder mit ins Kino nehmen. Der Film wird nämlich nicht nur die Kleinen erfreuen, sondern ist auch was für die Nostalgiker unter uns, die sich beim Betrachten in ihre eigene Kindheit zurück versetzt fühlen werden, als sie um die Weihnachtszeit herum vor dem Fernseher auf "DDR 2" die Abenteuer der Arabella, Rumburak, und wie sie nicht alle hießen, verfolgten, die damals die tschechischen Märchenproduktionen wie "Die Märchenbraut" oder "Drei Nüsse für Aschenbrödel" bevölkerten. Dieser Streifen knüpft nahtlos an deren Tradition an, wobei Vaclav Vorlicek, der jetzt Regie führte, auch Letzteren schon inszenierte. Damit ist klar, dass man keine Wunderdinge in Sachen Action und Tricktechnik erwarten darf, da mag das Presseheft die aufwendige Arbeit der 3D-Spezialisten bei der Produktion noch so hervorheben, dafür aber auf solides Handwerk bei der liebevollen Umsetzung einer fantasievollen Geschichte vertrauen kann. Diese handelt von der garstigen Seekönigin (durchtrieben: Ivana Chylkova), die alle Prinzessinnen im heiratsfähigen Alter der Umgebung kidnappt und in ihrem Reich unter Wasser gefangen hält, um allein als Braut des Prinzen Viktor (Max Urlacher) in Betracht zu kommen und so ihre Macht ins unermessliche steigern zu können. Nur dumm, dass sich dieser vor deren Entführung in die liebreizende Prinzessin Odette (schönes, unverbrauchtes Gesicht: Jitka Schneider) verliebt hat, die er nun natürlich zu befreien versucht. Somit sind schnell die Fronten abgesteckt und die Rollen der Helden und Bösewichte besetzt, was für einen klaren, leicht verständlichen Plot sorgt, der ja Märchen allgemein auszeichnet und so besonders auch Kindern zugänglich macht. Und obwohl der Ausgang der ganzen Geschichte abzusehen ist, macht es doch Spaß, die schwierige Befreiungsaktion zu verfolgen, da verzeiht man dann auch die Synchronisation, die manchmal recht aufgesetzt wirkt. Aber allein die Idee, einen Großteil der Handlung unter Wasser spielen zu lassen, und deren Umsetzung zu beobachten wobei es wohl nur dem Erwachsenen mit allzu viel Realitätssinn komisch vorkommt, dass im Unterwasserreich die Medien Wasser und Luft verschmelzen und so sowohl Fönfrisuren als auch Atmung inklusive sichtbarem Atem zulassen - ist so interessant, dass einem nie langweilig wird.
Wertung: 5 von 10 Punkten

(Miguel)