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D: Julia Roberts, Susan Sarandon, Ed Harris, Jena Malone, R: Chris Columbus, 125 Min.

So altklug es klingen mag, bei Scheidungen sind immer die Kinder die Leidtragenden, wie uns schon eindrucksvoll im 70er Jahre-Klassiker "Kramer gegen Kramer" mit Dustin Hoffman und Meryl Streep vermittelt wurde, in dem der erbitterte Kampf um das Sorgerecht extreme Ausmaße angenommen hatte. Ganz so übel geht es in Chris Columbus 90er-Variante des Scheidungsdramas nicht zu, doch auch er unterläßt es nicht, auf die Komplikationen von Trennungen hinzuweisen. Und wenn dann auch noch eine andere Frau an die Stelle der Mutter treten soll, sind größere Spannungen vorprogrammiert. So wie bei Isabel (Julia Roberts) der neuen Frau an Lukes (Ed Harris) Seite, die sich alle Mühe gibt, mit den Kindern Anna (verdammt professionell: Jena Malone) und Ben (Liam Aiken) gut klarzukommen, von ihnen aber einfach nicht akzeptiert wird. Dies liegt zum einen daran, daß sie die Rolle der Mutter bei weitem nicht so perfekt ausfüllt wie die leibliche Mutter Jackie (Susan Sarandon), die sich als fleischgewordenes Notizbuch und Fulltime-Hausfrau voll und ganz den Kindern widmet, während es die angesagte Fotografin Isabel schon mal versäumt, das eine bestimmte Kleidungsstück der Kinder rechtzeitig zu waschen oder ihnen ein Essen auf den Tisch zu stellen. Zum anderen aber zettelt Jackie einen Kleinkrieg gegen sie an und läßt keine Gelegenheit aus, die Kinder, wenn sie sie hat, gegen Isabel aufzubringen. Kennzeichnender Dialog zwischen den Kindern und Jackie über Isabel: "Findest du sie nicht hübsch?" - "Wenn man auf Breitmaulfrösche steht!". Dabei zeigt Columbus sehr genau auch den emotionalen Konflikt auf, der sich für die Kinder mit zwei Müttern ergibt, und daß die bei der neuen alles ausprobieren, um beim familieninternen Machtkampf als Sieger das Feld zu verlassen, kann man nur allzugut nachempfinden. Bei aller Dramatik der Situation läßt der Film aber auch den nötigen Humor nicht vermissen ohne die Problematik ins Lächerliche zu ziehen, was die Auseinandersetzung der Kinder mit Isabel und deren langsame Annäherung durchaus ansehnlich und kurzweilig werden läßt. Aber Hollywood wäre nicht Hollywood, würde nicht noch mächtig auf die Tränendrüse gedrückt werden, denn wie es das Schicksal so will, erkrankt Jackie unheilbar an Krebs und muß sich nun, da sie ja für ihre Kinder nur das Beste will, wohl oder übel auf Isabels Seite schlagen, um ihren Kindern ein halbwegs harmonisches Leben zu ermöglichen. Den beiden so gegensätzlichen Hauptdarstellerinnen Roberts und vor allem Sarandon gelingt es dabei hervorragend, den Übergang von absoluter Abneigung zum gegenseitigen Respekt und sogar Zuneigung zu schaffen, ohne unglaubwürdig zu wirken oder dem Film einen Bruch zu verleihen, obwohl der nach dem Nichtangriffspakt der beiden doch ein wenig an Tempo und Leichtigkeit einbüßt und dann doch die eine oder andere Länge aufweist, wobei auf die vor Pathos nur so triefende Schlußszene hier besser nicht näher eingegangen wird. Aber dennoch fühlt man sich auch Dank des erfrischenden Spiels der Kinder über die gesamte Länge recht gut unterhalten, mag auch der kombinatorische Teil des Gehirns ein wenig zu kurz kommen.
Wertung: 6 von 10 Punkten

(Miguel)