Schlaflos in New York

D: Steve Martin, Goldie Hawn, John Cleese, R: Sam Weisman, 91 Min.

Nachdem Tochter und Sohn das elterliche Haus in Ohio verlassen haben, herrscht in der Ehe von Henry (Steve Martin) und Nancy Clark (Goldie Hawn) eine Leere, sie wissen nichts mit sich anzufangen, alles ist Routine, ohne Herzlichkeiten, ohne Verliebtheit, ohne besondere Zärtlichkeiten. Leider hat Henry, was seine Frau aber nicht weiß, seinen lukrativen Job verloren, und setzt nun alle Hoffnungen auf ein Vorstellungsgespräch bei einer Werbeagentur in New York. Nancy möchte ihrem Mann eine Freude bereiten und begleitet ihn, womit die Komplikationen beginnen können. Ihr Flugzeug wird wegen der schlechten Wetterlage nach Boston umgeleitet, die Koffer sind verschwunden, der Zug nach New York wird knapp (und etwas dümmlich) verpasst. Also mieten sich die beiden ein Auto, dessen Heizung dann blöderweise den Innenraum zur Sauna werden läßt und welches sie schließlich nach Umwegen und Irrwegen auch noch in einer Fischhalle demolieren. Dann werden Henry und Nancy von einem Gangster, der vorgibt, Andrew Lloyd Webber zu sein, überfallen. Schließlich kommen beide völlig fertig im Hotel an, und Henry besitzt sogar noch eine Kreditkarte, die er im Socken versteckt hatte. Der arrogante Hotelmanager Mersault (John Cleese) teilt ihm allerdings mit, daß das Konto überzogen sei, die Kreditanstalt verrät Henry, daß seine Tochter diverse Möbel gekauft habe, ohne sein Wissen, allerdings mit dem von Nancy, wie sich herausstellt. So fliegen beide aus dem Hotel, stehen ohne Geld da, streiten sich und sind ohne Ende gestresst. Und dies alles so kurz vor dem wichtigen Bewerbungsgespräch. Durch einen Trick gelangen Henry und Nancy doch noch in eine Suite des Hotels, um kurz darauf zufällig bei der Flucht aus dem fremden Zimmer Mersault privat in einer prekären Situation zu sehen, womit sie ein Druckmittel gegen ihn in der Hand haben. Langsam erwachen auch ihre Gefühle füreinander wieder, und auch wenn Henry im Knast landet und nach dem Verzehr einer "Aspirin" aus fremder Hand Halluzinationen bekommt, noch ist nichts verloren...
"Schlaflos in New York" ist das Remake des Filmes "Nie wieder New York" mit Jack Lemmon und Sandy Dennis aus dem Jahr 1970, natürlich in die heutige Zeit transportiert und aufgefrischt. Natürlich muß man einiges an Klamauk über sich ergehen lassen, aber der Streifen birgt durchaus auch nicht wenige gute Gags und nette Szenen, so daß er nicht mal so überzogen ist, wie ich ihn erwartete. Ein absolutes Glanzlicht setzt John Cleese als Mersault, es ist köstlich, sich seine Szenen anzuschauen. Steve Martin und Goldie Hawn spielen gewohnt gut ihre Rollen, wie man sie kennt. Ein Film ohne Anspruch, den man sich ruhig als nette Unterhaltung zu Gemüte führen kann.
Wertung: 7 von 10 Punkten

(Tobi)

Ach ja, Henry (Steve Martin) hat es schon nicht leicht. Erst muss er den Tapferen markieren, als der letzte Sprössling das Haus verlässt und dann gilt es auch noch, seiner Frau Nancy (Goldie Hawn) zu verheimlichen, dass er nicht zum Vorstellungsgespräch nach New York fliegen will, um sich beruflich zu verbessern, sondern weil er kurz zuvor gefeuert wurde. Zu allem Überfluss entscheidet sich seine Angetraute, weil ihr jetzt allein zuhause die Decke auf den Kopf zu fallen droht, in letzter Sekunde auch noch, ihn zu begleiten. Damit ist der Boden bereitet für eine lockere Komödie in alter Steve Martin-Manier, die allerdings eher die leiseren Töne anschlägt, setzt sie doch eher auf Situationskomik und das Mitgefühl der Zuschauer als auf große Schenkelklopfer-Pointen, was ja schon mal sympatisch ist. Dabei fällt von Anfang an auf, was für ein hervorragend eingespieltes Gespann Martin und Hawn bilden, denn man nimmt ihnen das langsam in die Jahre gekommene, in Routine versinkende Ehepaar ohne die kleinste Einschränkung ab, ja, eigentlich kann man sich gar nicht vorstellen, dass sie es privat nicht sind. Sie spielen sich klassisch, merklich auf der gleichen Wellenlänge liegend, gegenseitig die Bälle zu und man spürt in jeder Szene genau, wieviel Spaß sie dabei haben. Allerdings wird von der Story her nur das übliche "Böse Großstadt stürzt auf arme Landeier ein"-Repertoire geboten, wobei sich unser Pärchen aus Ohio in New York von einer Notlage in die nächste manövriert. So werden sie, wie ihnen glaubhaft versichert wird, vom Musical-Komponisten Andrew Lloyd Webber auf offener Straße ausgeraubt, ihre vorsichtshalber im Socken aufbewahrte Kreditkarte ist vom studierenden Töchterchen völlig überzogen worden, was den arroganten, schleimigen Manager ihres Hotels, völlig genial vom Ex-Monty Python-Komiker John Cleese gespielt, dazu veranlasst, sie kurzerhand auf die Strasse zu setzen. Überhaupt stellen die Szenen mit Cleese die absoluten Highlights des Films dar, weil er mit seinem trockenen, britischen Humor der seicht dahin plätschernden Komödie immer wieder einen frechen, schnoddrigen Anstrich verpassen kann. Das heißt nicht, dass man sich sonst langweilt, denn auf ihrer turbulenten Odyssee ohne die geringste Kohle, geraten unsere beiden schon in die eine oder andere witzige Situation, sei es nun die Sexbesessenen-Selbsthilfegruppe, in die sie auf der Suche nach etwas Essbarem geraten, oder ihr Quickie im dunklen Central Park, dem überraschenderweise aufgrund der vom Bürgermeister höchstpersönlich initiierten Aktion "Licht in die Stadt" die gesamte anwesende Partygesellschaft beiwohnen kann, aber irgendwie wird man die ganze Zeit über das Gefühl nicht los, dass der Film eher seine Eltern ansprechen würde.
Wertung: 5 von 10 Punkten

(Miguel)