Tanz in die Freiheit

D: Meryl Streep, Michael Gambon, Catherine McCormack, R: Pat O'Connor, 95 Min.

Irland ist wirklich schön: saftige, grüne Wiesen soweit das Auge reicht. Man kann sich gar nicht sattsehen an der grünen Hügellandschaft. Dafür haben allerdings die fünf Mundy-Schwestern überhaupt keinen Blick, die dort im Sommer 1936 mit ganz anderen Dingen beschäftigt sind. Sie haben nämlich auf ihrem einsamen Gehöft genug damit zu tun, ihre persönlichen Probleme in den Griff zu bekommen, denn als ob es nicht schon reichen würde, ständig am Existenzminimum zu leben, da nur Kate (Meryl Streep), die Älteste von ihnen, als Lehrerin über eine feste Anstellung verfügt, ergeben sich auch noch Spannungen zwischen den so unterschiedlichen Schwestern, die hier zusammen unter einem Dach wohnen. Und wäre da nicht der uneheliche, achtjährige Sohn Michael (Darell Johnston) der jüngsten Schwester Christina (Catherine McCormack), der ihnen soviel Freude macht und von allen umsorgt wird, wäre es wohl schon längst zum großen Krach gekommen. So aber finden sie sich mit ihrer bescheidenen, zurückgezogenen Lebensweise ab, und ertragen auch die ständigen Schulmeistereien der steifen, konservativen Kate, die an allen Vergnügungen des Lebens irgendetwas Verwerfliches findet. Einzig und allein das große Radio im Wohnzimmer bringt ein wenig Abwechslung in ihren sonst so tristen Alltag, der nur aus Hausarbeit, Stricken und Teetrinken besteht. Doch in diesem Sommer 1936 wird alles anders, denn ihr Bruder Jack (Michael Gambon), vor 25 Jahren als Missionar nach Uganda aufgebrochen, hat seine Rückkehr angekündigt und sorgt so natürlich für Aufregung. Aber aus dem Bus steigt nicht der stattliche junge Mann von dem Foto an der Wand sondern ein geistig etwas verwirrter alter Kauz, der ihr Leben doch einigermaßen durcheinanderwirbelt. Und als dann auch noch Michaels Vater, der lebenslustige Gerry (Rhys Ifans) auftaucht und sich vorrübergehend bei den Mundys einquartiert, ist die Verwirrung perfekt. Pat O'Connor läßt Stimmungen sprechen: bei der anfänglichen Eintönigkeit regiert eine über allem schwebende dunkle Langsamkeit, die nach den einschneidenden Veränderungen im Hause Mundy wie weggeblasen scheint, wo man sich nun auf die Feierlichkeiten zum Lughnasa-Fest freut, doch droht dieser Zustand der Lebensfreude bald wieder zu zerfallen, erhält doch Kate ihre Kündigung und eine neue Textilfabrik bedroht die Nebeneinkünfte aus Handarbeiten. Aber trotz aller Existenzängste und obwohl Kate die Pläne, auf das Lughnasa-Fest zum Tanz zu gehen, zunichtemacht, kommt es an diesem Abend durch das von Gerry reparierte Radio zu einem einmaligen Gefühlsausbruch der fünf Schwestern, der sie in einem Tanz zusammenbringt, bei dem sie alles andere hinter sich lassen. Der Film erzählt nicht nur eine Geschichte, er erlaubt jedem der Charaktere, seine eigene Geschichte zu erzählen und räumt den Schauspielern den dafür nötigen Platz ein, den diese allerdings auch gekonnt ausfüllen. Aber so feinfühlig und tiefgründig die einzelnen Schicksale auch dargestellt werden mögen, gelingt es irgendwie nicht, von ihnen gefesselt und eingenommen zu werden, so daß man sich bei aller Tragik innerlich fragen hört: "Na, und?".
Wertung: 5 von 10 Punkten

(Miguel)