Die Truman Show

D: Jim Carrey, Laura Linney, Ed Harris, Noah Emmerich, R: Peter Weir, 103 Min.

Der Wahnsinn der Daily Soaps ist unaufhaltsam. So oder so ähnlich könnte die Moral von Peter Weirs neuem Film lauten, in dem das Prinzip der Fernsehserien - gib den Zuschauern, was sie sehen wollen - auf die Spitze getrieben wird, denn die Anhängerschaft der "Truman Show" rund um die Welt bekommt Reality-TV vom Feinsten geboten. Ihnen wird nämlich das Leben von Truman Burbank (Jim Carrey) live in die Wohnzimmer übertragen, 24 Stunden am Tag seit seiner Geburt. Um dies zu verwirklichen, haben die Produzenten der Show keine Kosten und Mühen gescheut und als gigantischen Set unter einer Kuppel eine Kleinstadt samt Umgebung und Meer errichtet, in der Truman nun schon fast 30 Jahre lang lebt und dabei von 5000 Kameras auf Schritt und Tritt verfolgt wird. Der Haken an der Sache: er weiß nichts davon! Alle seine Mitmenschen sind Schauspieler, die aus der Schaltzentrale individuelle Regieanweisungen bekommen und so Trumans Leben nach den Wünschen des Regisseurs Christof (Ed Harris) beeinflussen. Und entspricht Trumans Verhalten mal so gar nicht Christofs Vorstellungen, wird schnell ein Notplan auf die Beine gestellt, wie als er sich zur Studentenzeit nicht wie vorgesehen in seine zukünftige Frau Meryl (Laura Linney) sondern in Lauren (Natascha McElhone) verliebt, welche von Sylvia gespielt wird, die seine Gefühle erwidert und ihn über alles aufklären will. Sie wird bei diesem Versuch kurzerhand aus der Show entfernt, indem Truman von ihrem angeblichen Vater aufgetischt wird, sie sei schizophren und sie würden am nächsten Tag auf die Fidschi-Inseln umziehen. So sieht er sie nie wieder, kann sie aber nicht vergessen, obwohl er mit Meryl eine harmonische Ehe führt. Doch es treten im idyllischen Seahaven immer mehr Ungereimtheiten auf, die trotz späterer Erklärungsversuche Truman immer skeptischer werden lassen. Es fällt einfach ein Scheinwerfer vom Himmel, im Autoradio hört er Regieanweisungen an die ihn begleitenden Schauspieler und hinter einem Fahrstuhl sieht er kurz an einem Tisch essende Menschen. Dabei versteht es Weir hervorragend, Seahaven konstruiert erscheinen zu lassen, und schafft somit eine fast sterile Atmosphäre, zu der Laura Linney als ewig lächelnde Meryl einen großen Teil beiträgt. Durch die Vorkommnisse wird das perfekte Bild aber immer mehr zerkratzt, und Jim Carrey stellt den Übergang vom ahnungslosen Versicherungsangestellten über den Verdacht schöpfenden bis hin zum Freiheit begehrenden Truman geradezu meisterhaft dar. Ist es aber wirklich möglich, 30 Jahre lang an ein und demselben Ort gehalten zu werden, ohne sich etwas dabei zu denken? Gerade das wird dem Zuschauer jedoch glaubhaft erklärt, denn für Truman ist das Verlassen von Seahaven immer mit gravierenden Nachteilen verbunden, sei es nun seine Wasserphobie, die es ihm verbietet Schiffe zu benutzen, oder ein in Sekundenschnelle erzeugter Stau, der ihm die Autoreise verleidet, und so trifft er immer selbst die Entscheidung, besser zu bleiben. Bis die Anhäufung dieser Versuche aus Seahaven rauszukommen in Kombination mit dem verstärkten Wunsch, seine Jugendliebe Lauren auf den Fidschis zu besuchen, dazu führen, daß er mit aller Macht weg will. Neben dem genialen Drehbuch von Andrew Niccol, der auch schon für "Gattaca" verantwortlich zeichnete, ist hier die glaubwürdige Umsetzung, garniert mit zahlreichen netten Ideen, herauszuheben, die dafür sorgt, daß man sich mit dem Film beschäftigt. Wird nicht unser aller Leben von irgendwoher gesteuert und ist somit von dem Trumans gar nicht so verschieden? Aber bei dem Gedanken, rund um die Uhr von einem Millionenpublikum beobachtet zu werden, ist man doch froh, daß die Realität anders aussieht, tut sie doch, oder???
Wertung: 8 von 10 Punkten

(Miguel)