Verrückt in Alabama

D: Melanie Griffith, Lucas Black, David Morse, Meat Loaf, R: Antonio Banderas, 112 Min.

Jetzt zieht es also auch Spaniens Hollywood-Export Nummer eins hinter die Kamera, dessen Werk wie bei allen erfolgreichen Schauspielern, die irgendwann ins Regiefach wechseln, den besonders kritischen Blicken der Zuschauer ausgesetzt ist. Und diese Blicke sorgen zunächst einmal mächtig für Verwirrung, denn außer dass hier mit schwarzem Humor nur so um sich geworfen wird, weiß man mit diesem Film erstmal gar nichts anzufangen. Banderas erzählt die Geschichte der etwas durchgeknallten Lucille, die natürlich, wie könnte es auch anders sein, von seiner Ehefrau Melanie Griffith gespielt wird und im Sommer 1965 von ihrem Hausfrauendasein im ländlichen Alabama und der Unterdrückung durch ihren Mann, mal ganz abgesehen vom ständigen Kinder kriegen, die Schnauze voll hat und sich diesen mal schnell mittels Rattengift im Kaffee vom Hals schafft. Dessen Kopf, den sie danach mit einem Elektromesser sauber vom Körper abgetrennt hat, soll von diesem Moment an, das verstehe wer will, in einer Frischhaltebox verstaut nicht mehr von ihrer Seite weichen, als sie ihre Reise nach Hollywood antritt, um endlich ihre schon lange erträumte Fernsehkarriere zu starten. Aber man muss ja nicht immer alles verstehen, sondern kann auch mal manche Dinge einfach als Tatsache hinnehmen, doch als dann parallel auch noch die Verwicklung von Lucilles Lieblingsneffen Peejoe (Lucas Black) in den Kampf gegen die Diskriminierung von Schwarzen in ihrer Kleinstadt thematisiert wird, weiß man endgültig nicht mehr, worauf Banderas mit diesem Streifen eigentlich hinaus will. So verfolgt man das Geschehen zwar interressiert, weil die beiden Handlungsstränge durchaus kurzweilig inszeniert sind, man wird allerdings lange Zeit das Gefühl der Ahnungslosigkeit nicht los, wie man den Film einzuordnen hat, zu sehr schwankt er zwischen tragischen Elementen, wie dem durch den rassistischen Sheriff Doggett (super arschig: Meat Loaf) mutwillig herbeigeführten Tod eines schwarzen Jungen, und komischen Szenen, auf die es Banderas bei Lucilles ereignisreicher Flucht nach Hollywood immer wieder anlegt. Dadurch wird man ständig von einer Stimmung in die andere gerissen, was selten einem Film gut getan hat. Dennoch kann man sich am einfühlsam abgefilmten Schicksal von Lucilles Familie erfreuen, zumal der Streifen gerade noch rechtzeitig die Kurve kriegt und endlich den Zusammenhang zwischen beiden parallelen Geschichten herstellt, der sowohl real mit den Ermittlungen Sheriff Doggetts im Mordfall von Lucilles Ehemann und dessen Verschulden des Todes des Jungen, das von Peejoe beobachtet wurde, besteht, als auch ideell mit dem Freiheitskampf auf verschiedenen Ebenen Lucille kämpft hier genauso verbissen für ihre individuelle Freiheit von ihrem gewalttätigen Mann wie Teile der Bevölkerung für die Gleichberechtigung von Schwarzen in der Gesellschaft - gesehen werden kann. Dabei gerät der junge Peejoe als Zeuge des Totschlags in den Gewissenskonflikt, mit einer Aussage gegen den Sheriff zwar der Gerechtigkeit gegenüber Schwarzen den Weg zu ebnen, seiner über alles geliebten Tante Lucille jedoch zu schaden, da er dadurch den Sheriff gegen sie aufbringen würde. Und so kommt der Film mit der abschließenden Gerichtsverhandlung, bei der die Handlungsstränge vereint werden und besonders Rod Steiger als Richter mit komödiantischen Einlagen gefällt, doch noch zu einem harmonischen Ende, an dem man sich allerdings überlegt, ob man auch 1965 schon, wie Lucille im Knast, gegen den Hunger mal schnell ein "Snickers" verzehrte.
Wertung: 6 von 10 Punkten

(Miguel)