Virus

D: Jamie Lee Curtis, Donald Sutherland, William Baldwin, Joanna Pacula, R: John Bruno, 100 Min.

So langsam muß man wohl wirklich an die Existenz von Außerirdischen glauben, denn die Jungs haben ja in fast jedem zweiten Film, der einem derzeit präsentiert wird, die Finger im Spiel. Wahrscheinlich haben die den Menschen Wohlgesonneneren unter ihnen ja schon die westamerikanische Filmindustrie in ihre Kontrolle gebracht und wollen uns vor anderen fiesen Lebensformen warnen, die es auf unser Leben abgesehen haben. Mit dem Ausschlachten eines Booms allein ist doch wohl eine derart häufige Präsenz von Aliens verschiedenster Formen in neueren Produktionen nicht mehr zu erklären, was einem zu denken geben sollte. So haben wir es auch hier mit einer extraterrestrischen Lebensform der eher unangenehmen Art zu tun, die die Menschheit als Virus betrachtet (ach so, deswegen der Titel), den es auszurotten gilt. Zu diesem Zweck nimmt eine mysteriöse Energiemasse die Raumstation Mir ein und beamt sich mittels der menschlichen Übertragungstechnik auf das mit der Mir in Kontakt stehende russische Forschungsschiff Volkov, um dort erstmal unter der Besatzung aufzuräumen. Ob das mit dem gesunden Menschenverstand zu vereinbaren ist, sei mal dahingestellt, auf jeden Fall aber taugt der Plot allemal als Grundlage für einen handfesten Science-Fiction-Thriller. Zufällig kommt dann ein Schlepper an der verwaisten Volkov vorbei, dessen Besatzung sich zwar nicht erklären kann, was mit den Menschen an Bord passiert ist, die aber einen riesigen Profit bei der Bergung des Schiffes wittern. Also aktiviert sie zunächst die Stromversorgung der Volkov, um sie wieder flott zu kriegen. Doch damit gibt sie der fiesen Energieform nichtsahnend ihr Vernichtungswerkzeug in die Hand, denn die hat die Kontrolle über sämtliche Computersysteme an Bord und sich inzwischen eine Fertigungshalle eingerichtet, die es mit jeder hochmodernen Autofabrik aufnehmen kann und in der sie alle möglichen Roboter sozusagen die Exekutive unter Verwendung menschlicher Ersatzteile herstellt. Der Film von Regie-Debütant John Bruno funktioniert vor allem durch die schleichende Aufklärung des Zuschauers über die Vorgänge an Bord, die dieser praktisch zusammen mit der Besatzung des Schleppers erfährt, deren Starbesetzung mit Jamie Lee Curtis als Navigatorin Foster, William Baldwin als Ingenieur Baker und vor allem Donald Sutherland als profitgieriger, über Leichen gehender Kapitän Everton ihren Namen alle Ehre macht und ihren Figuren die nötige Plastizität verleiht. Deshalb nimmt man durchaus gespannt am Schicksal der Crew teil, die den Kampf gegen die Maschinen aufnimmt, und kann sich dabei über den Ideenreichtum der Roboter-Designer freuen, die ihren Spieltrieb mit Robotern von der kleinen Spinne bis zum riesigen Monster voll ausleben konnten und dabei durch die Animation tatkräftig unterstützt wurden. Daß manche Tricksequenz nicht so hundertprozentig paßt, fällt bei diesem gutgemachten, temporeichen Action-Thriller dann auch nicht weiter ins Gewicht, und die Frage nach dem Sinn des Films stellt man sich nach hundert Minuten spannender Unterhaltung besser nicht.
Wertung: 7 von 10 Punkten

(Miguel)