Wehrlos - Die Tochter des Generals

D: John Travolta, Madeleine Stowe, James Cromwell, Leslie Stefanson, R: Simon West, 116 Min.

Na, das ist doch mal ein US-Army-Film ganz nach dem Geschmack mitteleuropäischer Kriegsdienstverweigerer, hier wird nämlich ganz im Gegensatz zu den meisten handelsüblichen amerikanischen Armee-Filmen weder wild in der Gegend rumgeballert noch der Corpsgeist der Soldaten glorifiziert, sondern die ganze Palette von sexueller Belästigung über Vergewaltigung und deren Vertuschung bis hin zum Mord innerhalb der Army abgearbeitet. Aber mal zur Sache: unser aller Teddybär John Travolta ist hier mal als knallharter Ermittler für armeeinterne Verbrechen, Offizier Paul Brenner, zu sehen, der sich in eine Armeeangehörige verguckt, als diese ihm bei einem nächtlichen Reifenwechsel behilflich ist. Doch das ist keinesfalls der Anfang eines romantischen Liebesfilms sondern vielmehr die Einleitung für einen spannenden Thriller im Militärmilieu, denn Captain Elisabeth Campbell (Leslie Stefanson), seine neue Bekanntschaft, wird kurz darauf brutal ermordet an Pflöcken nackt an den Boden gefesselt vorgefunden. Natürlich wird Brenner mit den Ermittlungen in diesem Mordfall betraut und bekommt gleich, als er dem Kommandeur des Stützpunktes General Joe Campbell (James Cromwell), dessen Tochter das Mordopfer ist, seinen Antrittsbesuch abstattet, die vielsagende Einführung, dass es nur drei Wege für die Erledigung von Aufgaben gäbe: den richtigen, den falschen und den der Armee. So auf den Ehrenkodex der Armee eingeschworen macht er sich mit seiner Kollegin Sarah Sunhill (Madeleine Stowe) sofort an die Aufklärungsarbeit, die einen allein durch die Spekulationen über das Verbrechen fesselt und immer neue kriminelle Verwicklungen von Armeeangehörigen zu Tage fördert. Dabei lebt der Film vor allem vom auf Nelson DeMilles Roman basierenden Drehbuch, das Entwicklungen bereit hält, die kein noch so versierter Krimiexperte für möglich gehalten hätte. Allerdings muss auch das erstmal glaubwürdig umgesetzt werden, was die namhafte Besetzung, allen voran John Travolta, beeindruckend bewerkstelligt. Seine Performance als unabhängiger Einzelkämpfer Brenner, dem aber in diesem Fall mit Sunhill eine Frau an die Seite gestellt wird, mit der ihn früher auch eine private Beziehung verband, sorgt dabei im Zusammenspiel mit Madeleine Stowe zusätzlich für unterhaltsame Momente, die immer wieder die Atmosphäre auflockern, sich aber keinesfalls negativ auf die Spannung auswirken. Dadurch kommt man in den Genuss eines packenden Krimis, der noch dazu mit seinem brisanten Thema zum Nachdenken anregt, kratzt er doch das immer wieder von außen auf Hochglanz polierte Image der Army gehörig an, denn dass dort Verbrechen gern intern behandelt und oft zum Wohle des Ansehens der Truppe schon mal unter den Teppich gekehrt werden, ist jedem wohl bewusst, wurde jedoch selten so explizit dargestellt wie in diesem Film. Da dies aber nicht rein dokumentarisch mit erhobenem Zeigefinger erfolgt, was mangels Dokumentationen auch ziemlich schwer fiele, sondern in eine fiktive Story verpackt, als Thriller dargereicht wird, nimmt dem Stoff die Trockenheit und sorgt damit für beste, fesselnde Unterhaltung.
Wertung: 8 von 10 Punkten

(Miguel)