KUBO - DER TAPFERE SAMURAI
Animation
Regie:  Travis Knight
Dauer:  102 Minuten
FSK:  freigegeben ab 6 Jahren
Website:  www.kubo-film.de
 

Die eigentliche Wertschätzung erfährt der Film erst im Abspann, den wohl die meisten gar nicht mehr mitbekommen werden. Schade drum, denn erst da wird einem richtig vor Augen geführt, mit welch Akribie und Aufwand jede einzelne Einstellung hier erarbeitet wurde. Das kann einerseits sicherlich als größtes Kompliment für Regisseur Travis Knight und die amerikanische Stop-Motion-Schmiede Laika verstanden werden, zeigt aber andererseits auch, wie glattgebügelt das neue Werk größtenteils wirkt. Bezogen die früheren Produktionen - "Coraline" und "Die Boxtrolls" hauchten der etwas eingestaubten Stop-Motion-Technik unbestritten neues Leben ein - ihren Charme überwiegend aus ihrem von gewöhnlichen CGI-Animationen deutlich abgesetzten, etwas raueren Erscheinungsbild, ist dies jetzt leider ein wenig abhanden gekommen. So ist man fast auf besagten Abspann angewiesen um letztendlich Bestätigung zu erfahren für die vermutete Handarbeit hinter einem Großteil der Tricktechnik. Aber gehen wir mit dem neuen Laika-Streifen mal nicht zu hart ins Gericht, denn im Vergleich zum inzwischen recht eintönigen Einheitsbrei an Animationsfilmen besticht das Abenteuer des japanischen Jungen Kubo immer noch durch seine vor Fantasie nur so sprühenden, geradezu künstlerisch anmutenden Bilder.

Kubo, der schon früh seinen Vater, einen verdienten Samurai, verloren hat, sorgt ganz allein für seine kranke Mutter, indem er auf dem Marktplatz Geschichten erzählt, die er von seinen durch Magie zum Leben erweckten Papierfiguren theatralisch begleiten lässt. Allein dieses einleitende, auf der traditionellen Papierfaltkunst Origami basierende, Schauspiel ist schon das Eintrittsgeld wert und begleitet einen dann auch wie der sprichwörtliche rote Faden durch die gesamte Handlung. Denn wohin es Kubo und seine Weggefährten auf der Suche nach der verschwundenen Rüstung seines Vaters auch verschlägt, dessen kleine Papiervariante ist immer dabei und unterstützt sie bei ihrem Kampf gegen den Zauber seiner bösen Tanten und vor allem seines Großvaters. Die Rüstung soll laut seiner Mutter der Schlüssel sein für den Sieg über die finsteren Mächte, und so begibt er sich auf den beschwerlichen Weg um endlich Frieden zu finden für sich und seine Mutter.

Ein Weg, der auf jeder Etappe ein fantastisches Abenteuer für uns bereithält und mit wirklich perfekter Animation zum Schwelgen in den liebevoll gestalteten Bildern einlädt. Mag die Geschichte dahinter auch ein wenig kompliziert klingen, so ist sie doch in sich schlüssig und verbindet noch dazu die Tradition japanischer Erzählung mit heutiger Action. Was macht es da bei diesem stimmigen Gesamtbild schon, dass die sympathische Rotzigkeit der "Boxtrolls" auf der Strecke geblieben ist.



Wertung: 9 von 10 Punkten

(Mick)