LIEBE AUF DEN ZWEITEN BLICK
Darsteller:  Dustin Hoffman, Emma Thompson, Liane Balaban, Eileen Atkins
Regie:  Joel Hopkins
Dauer:  93 Minuten
FSK:  freigegeben ohne Altersbeschränkung
Weblink:  www.lastchanceharvey.com
 

Er ist wieder in seinem Element. Obwohl Dustin Hoffman ja schon hinreichend bewiesen hat, dass er eigentlich alles spielen kann, liegt ihm wohl nichts mehr, als den geknickten, melancholischen Verlierer zu verkörpern. Und wie er das macht, wie sein Harvey Shine da allein auf dem großen Hotelbett sitzt, gerade zur Hochzeit seiner Tochter eingeflogen, nur um zu erfahren, dass er von niemand wirklich erwartet wird. Dass er eigentlich gar nicht mehr richtig zur Familie gehört nach der Trennung von seiner Ex-Frau (Kathy Baker), und seine Einladung nicht mehr war als eine lästige Pflichterfüllung. Wie er da verloren auf dem Empfang erscheint in seinem neuen Anzug, an dessen Ärmel noch der Sicherheitsclip hängt, und jedem erzählen muss, wie wohl er sich fühlt und wie erfolgreich er ist. Und das, wo er, einst ambitionierter Komponist, jetzt Jingles für TV-Reklamen erfindet, und auch das in letzter Zeit eher schleppend läuft.

Man hat richtig Mitleid mit ihm, auch wenn er selbst an seinem Schicksal nicht ganz unschuldig ist. Doch so richtig komplett wird sein Unglück erst, als ihm seine Tochter Susan (Liane Balaban) mitteilt, dass sie statt von ihm lieber von ihrem Stiefvater zum Traualtar geführt werden möchte, und er am nächsten Morgen kurz nach überstandener Trauungszeremonie noch am Flughafen nach verpasstem Flieger seinen Job verliert. Und da kommt auch schon die Wende des Films, denn in der Flughafenbar trifft er auf sein weibliches Pendant: Kate (Emma Thompson), wie er schon etwas älter, alleinstehend, mit ihrem Leben unzufrieden aber herzensgut und liebesbedürftig.

Damit ist die Geschichte auch schon erzählt, denn was jetzt folgt, kann sich jeder an zwei bis drei Fingern seiner Hand abzählen. Aber dennoch kommt keine richtige Langeweile auf, ist die Entwicklung der zarten Liebe zwischen den beiden doch interessant zu beobachten und einfühlsam inszeniert. Dass dabei beide mit einer gehörigen Portion sarkastischem Wortwitz ausgestattet sind, peppt die Dialoge zusätzlich auf und verhindert ein Abgleiten in den Kitsch. So ist der Streifen dann doch durchaus ansehnlich, auch wenn er nicht über das Niveau einer netten Liebeskomödie hinauskommt.

Wertung: 6 von 10 Punkten

(Mick)